Rezension zu Lou Marin (Hrsg.): »Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960)«

27. Oktober 2013
Carsten Hueck, Deutschland Radio Kultur

Im Buch des Journalisten und Politaktivisten Lou Marin steht einmal nicht der Schriftsteller, Dramatiker oder Essayist Albert Camus im Mittelpunkt, sondern Camus als ein dem Anarchismus nahestehender, journalistischer Autor. Eine klug kommentierte Materialsammlung.

Man kennt Albert Camus vor allem als Autor, Dramatiker und philosophischen Essayisten. Weit weniger Beachtung erfuhren bis jetzt seine journalistischen Arbeiten. Vor allem diejenigen, die Camus als einen dem Anarchismus nahestehenden Autor zeigen.

Nach seinem Ausschluss aus der Kommunistischen Partei 1937 beschäftigte sich Camus zunehmend - auch veranlasst durch persönliche Freundschaften - mit libertären Positionen.
 

Bis zu seinem frühen Tod 1960 schrieb er immer wieder für libertäre Zeitschriften und nahm an Diskussionen mit Anarchisten unterschiedlicher Strömungen teil. Seine ideologie- und gewaltkritische Einstellung sorgte dabei für fruchtbare Auseinandersetzungen und gab Impulse auch für die politische Aktion.

Wie mutig Camus Denken in der Zeit des Kalten Krieges war, wie nah seine moralischen Überzeugungen an den anarchistischen Visionen einer gewaltfreien, sozialistischen Gesellschaft lagen, zeigt vielfältig der vom Journalisten und Politaktivisten Lou Marin herausgegebene Band "Albert Camus - Libertäre Schriften".

Dokumentiert sind darin, erstmals ins Deutsche übersetzt, Artikel und Briefe Camus, sowie publizistische Antworten und Diskussionsbeiträge namhafter Anarchisten. Man kann durch diese klug kommentierte Materialsammlung den Autor und Nobelpreisträger Camus als streitbaren Moralisten neu kennenlernen - zum einen engagiert in den politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Und zum anderen als Impulsgeber eines Denkens, das auch heute Perspektiven auf ein menschliches Miteinander eröffnen kann.