Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai: Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926)

Marxist Pocket Books
Band 3:
Barbara Kirchner zu Alexandra Kollontai: Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin (1926)
ISBN: 
978-3-942281-32-4
Erschienen November 2012
Preis: 
8,50 €
104 Seiten

»Es gibt nichts Schwereres, als eine Selbstbiographie zu schreiben«. So beginnt Alexandra Kollontais Autobiographie, die zu Recht als ein Urtext der Frauenbewegung gilt. Dabei meistert die russische Revolutionärin dieses Genre eindrucksvoll. In ihrem ebenso einfühlsamen wie aufrüttelnden Text demonstriert sie der heutigen Leserschaft, dass Feminismus viel mehr ist als Frauenquoten in Vorstandsetagen. (Auf die aber dennoch heute mitnichten zu verzichten ist.)

Barbara Kirchner, Professorin für Theoretische Chemie an der Universität Leipzig und (gemeinsam mit Dietmar Dath) Autorin des aufsehenerregenden Buches »Der Implex«, führt die LeserInnen in das Werk ein und stellt dabei prägnant heraus, wie viele aktuelle Anknüpfungspunkte Kollontais Ausführungen heute noch haben. So ist die Liebe eben auch gegenwärtig keine rein »private« Angelegenheit – auch wenn sie im Kapitalismus gerne als ausschließlich persönlicher Glücksgarant verkauft wird, für den jeder und jede selbst verantwortlich ist.

 

Barbara Kirchner, geboren 1970, studierte Chemie in Freiburg, Mainz und Chemnitz und schloss ihre Promotion an der Universität Basel ab. 2007 übernahm sie den Lehrstuhl für Theoretische Chemie an der Universität Leipzig. Sie ist Herausgeberin der Bände Ionic Liquids und Multiscale Molecular Methods in Applied Chemistry in der Reihe Topics in Current Chemistry, für die sie auch die Electronic Effects in Organic Chemistry bearbeitet. Barbara Kirchner schreibt außerdem für verschiedene Tageszeitungen und Zeitschriften (u.a. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Spex, De-bug, Texte zur Kunst). Sie hat den Roman Die verbesserte Frau (2002) veröffentlicht und mit Dietmar Dath neben dem Roman Schwester Mitternacht (2002) gerade im Suhrkamp Verlag Der Implex – Sozialer Fortschritt: Geschichte und Idee (2012) publiziert.

Alexandra Kollontai (1872–1952) war eine der bedeutendsten russischen Revolutionärinnen, die aus dem russisch-finnischen Adel stammte. Im Vorfeld der Oktoberrevolution fungierte sie als wichtiges Bindeglied zwischen dem im Schweizer Exil weilenden Lenin und den Revolutionären in Russland. Sie gehörte 1917 als erste Frau dem revolutionären sowjetischen Kabinett an und war ab 1919 Vorsitzende der Frauenabteilung im ZK der Partei. Als Volkskommissarin für soziale Fürsorge setzte die geschiedene, alleinerziehende Mutter eines Sohnes neben einer Lockerung des Eherechts unter anderem auch eine Verbesserung des Mutterschutzes durch. Zudem setzte Kollontai das Recht auf Abtreibung durch und schlug vor, »unproduktive Hausarbeit« durch Volksküchen und kollektive Kindererziehung zu ersetzen, weil die »wirklich befreite Frau« aus ihrer Sicht »materiell vom Mann unabhängig sein und von den mit der Mutterschaft verbundenen Pflichten entlastet werden« musste. Von 1923 bis 1946 vertrat sie die Sowjetunion als Diplomatin in Norwegen, Mexiko und Schweden.

Pressestimmen: 

»Die Reihe der Marxist Pocket Books verspricht die Neuauflage sozialistischer Klassikertexte, gepaart mit einer zeitdiagnostischen Einführung in Relevanz und Aktualität des jeweiligen Gedankenguts. Diesem Anspruch wird Barbara Kirchners Heranführung an Alexandra Kollontais Autobiografie vollends gerecht, wenn sie deren radikalfeministisches Selbstverständnis mit den verkürzenden Debatten um Frauenquoten und Herdprämien unserer Tage kontrastiert. Die Unterdrückungsmechanismen, die Kollontai bereits in den 1920er Jahren scharfsinnig entlarvt, scheinen sich in heutiger Perspektive keinesfalls erledigt, sondern vielmehr subtil und scheinheilig potenziert zu haben. Die romantische Liebe als Deckmantel der Privatisierung des Elends lässt eine allgemeine gesellschaftliche Forderung nach Solidarität und Liebe zur individuell zu verantwortenden Lieblosigkeitsproblematik werden, vom tiefen Glauben geprägt, das Glück sei daran gebunden, „den Einzigeinen zu finden“. (...) Wenn Kollontai schließlich resümiert, dass „vielleicht […] in keiner Epoche die Einsamkeit der Seele mit solch quälender Schärfe und Hartnäckigkeit sich fühlbar gemacht“ (74) hat, so kann man nach der aufmerksamen Lektüre für sich feststellen: Doch, heute!«
Alexander Struwe, pw –Portal für Politikwissenschaft