Lob der Grenzen

laika diskurs
Band 16
Régis Debray: Lob der Grenzen
ISBN: 
978-3-944233-60-4
Erscheint im Mai 2016
Preis: 
9,80€
64 Seiten

Eloge des frontières wurde von Régis Debray 2010 in Tokio als Vortrag gehalten. Debray geht darin weit in die Geschichte der Menschheit zurück, beleuchtet die Bedeutung der Grenze im Spiegel der verschiedenen Weltreligionen sowie säkularen Kulturen und diskutiert ihren Sinn und Zweck.

In der globalisierten Welt richtet er sich gegen das allgemein angesagte Postulat »ohne Grenzen«. Nach Debrays Beobachtung bedeutet die Abschaffung einer Grenze, diese lediglich weiter nach außen zu verschieben, was zu unterschiedlichen, problematischen Konsequenzen führe.

Geschichtlich gesehen, so Debray, hat die Grenze die Menschheit vorangebracht, Kultur ermöglicht. »Ohne Grenzen« hingegen ist alles erlaubt, alles möglich, wird alles banal und beliebig. Grenzen, die es ihrerseits stets zu hinterfragen gilt, helfen, Orientierung zu geben, wo sonst ein Vakuum entstehen könnte. Dabei geht Debray von der konkreten, geographischen Grenze aus und gelangt von dort zur abstrakten, philosophischen Bedeutung der Grenze.

Debray fragt gegen den Strom, fragt sich, was das gegenwärtige Postulat der Gesellschaft bringt. Und wohin es führen könnte. Dabei wehrt er sich gegen Vereinfachungen auf allen Seiten.

Aus dem Französischen übersetzt von Nicole Neumann.

 

»Alles, was in Frankreich Gewicht hat und zählt, nennt sich ›ohne Grenzen‹. Und wenn der Ohne-Grenzismus ein Täuschungsmanöver wäre, eine Flucht, Feigheit? Auf der gesamten Weltkarte, und allen gegenläufigen Versuchen zum Trotz, entstehen oder erwachen neue und antike Grenzen. Das ist eine Tatsache. Als guter Europäer habe ich beschlossen, das zu feiern, was andere bedauern: die Grenze als Impfstoff gegen die Epidemie der Mauern, Gegengift gegen die Gleichgültigkeit und Schutz des Lebendigen. Daher dieses Manifest gegen den Strich, das verwundert und unangebracht scheint, das aber wagt, sich der Zukunft zu stellen, indem es unsere Vergangenheit dechiffriert.«

Régis Debray

 

 

 

Régis Debray ist Philosoph und Schriftsteller, Autor von Romanen, Essays und Theaterstücken. In den 8oer-Jahren war er Berater des französischen Präsidenten François Mitterand. Seit 2011 ist Debray Mitglied der Académie Goncourt, 2013 wurde er für sein literarisches Werk mit dem Manès-Sperber-Preis ausgezeichnet.

 

 

Pressestimmen: 

»Neu ist der aufmerksame Blick, den Debray auf die Sprache lenkt. Seine Argumentation ist ideologiefrei und darauf gerichtet, das Phänomen, in diesem Fall die Grenze, facettenreich und vorurteilslos in den Griff zu bekommen. Im Ergebnis entzieht er einer leichtfertigen Gegenwart den Boden, die sich selbstgefällig nach allen Seiten öffnen will und selbstverständliche Grenzziehungen außer Acht lässt, und wendet sich gegen diese Haltung des ›Ohne-Grenzismus‹.[…] Das alles ist angenehm zu lesen, voller Anspielungen, voller Vergleiche mit den Zuständen in einem eher abgeschlossenen Land wie Japan, wo Régis Debray diesen Vortrag hielt, und alles in allem ein Text, der sich der Hektik der Gegenwart entzieht und, indem er sich nicht der nahe liegenden politischen Debatte öffnet, den Leser zur Besinnung anhält.«

Wolfgang Senff, Titelmagazin
 

»Debray formulierte seine Kritik einer grenzenlosen Wirklichkeitsverleugnung schon 2010, als die aktuelle ›Flüchtlingskrise‹ noch nicht absehbar war.«

Ulrich Baron, Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte