Carolin Amlinger: Die verkehrte Wahrheit

LAIKAtheorie
Band 32:
Carolin Amlinger: Die verkehrte Wahrheit – Zum Verhältnis von Ideologie und Wahrheit bei Marx/ Engels, Lukács, Adorno/ Horkheimer, Althusser und Žižek
ISBN: 
978-3-942281-63-8
Erschienen August 2014
Preis: 
19,90 €
192 Seiten

Der postmoderne Diskurs um die kulturelle Logik des Spätkapitalismus scheint zu erodieren: Autoren wie Slavoj Žižek und Alain Badiou setzen der postulierten Unmöglichkeit von Sinn im sozialen System positiv das Fundament der Wahrheit entgegen. Mit ihrer »Politik der Wahrheit« kommt es zu einer Renaissance von zwei Begriffen, die in der Philosophie des 21. Jahrhunderts bislang nur noch rudimentär eine Rolle spielten: Ideologie und Wahrheit.

Damit schließt die gegenwärtige politische Philosophie an das zentrale Thema westlicher marxistischer Ideologietheorien an: Die Stabilität der modernen kapitalistischen Gesellschaft wird hier unter Rückgriff auf imaginäre Formen der »Verkehrung« im Bewusstsein der Beherrschten erklärt. Theorien des Ideologischen konstituieren damit aber auch immer schon ihr Gegenteil, in ihnen ist negativ der Begriff der Wahrheit aufgehoben: Indem Ideologietheorie die Zementierung herrschender Ordnungen durch das Verkennen der eigenen Existenzgrundlage begründet, ist implizit die Möglichkeit des Erkennens der realen Verhältnisse mitgedacht.

In einer Rekonstruktion einschlägiger Diskurslinien des westlichen Marxismus soll in diesem Buch das Verhältnis von Ideologie und Wahrheit nachgezeichnet werden.

 

Carolin Amlinger (geb. 1984) ist Soziologin und Philosophin. Sie studierte Philosophie, Soziologie und Germanistik an der Universität Trier. Derzeit promoviert sie am Frankfurter Institut für Sozialforschung über die prekäre Arbeit von SchriftstellerInnen der Gegenwart und hofft, dass sie später selbst nicht als prekäre Schriftstellerin endet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind neben der kritischen Arbeitssoziologie und der Prekarisierung der Arbeitswelt auch Ideologietheorien des westlichen Marxismus – wäre sie Kulturwissenschaftlerin, würde sie außerdem Buffy – The Vampire Slayer nennen. Im LAIKA Verlag gibt sie gemeinsam mit Christian Baron die Reihe Marxist Pocket Books heraus.

Pressestimmen: 

»Carolin Amlinger ist eine kritische und lesenswerte Darstellung der marxistischen Debatte über die ›verkehrte Wahrheit‹ gelungen.«

Alex Schröder, marx21

 

 

»Carolin Amlinger hat eine lesenswerte Zusammenstellung zentraler marxistischern und postmarxistischer Ideologietheorien zusammengestellt. [...] Ihr Überblick über die Theorien ist durchdacht, nachvollziehbar und trotz oder wegen mancher Wiederholungen gelungen und bietet unbedarften wie bereits mit den Theorien vertrauteren Lesern gleichermaßen erkenntnisreiche Lektüre. Der Spagat zwischen Verständlichkeit und hohem Anspruch ist besonders gut gemeistert. [...]

[Amlingers] Buch eine interessante, lehrreiche und zum weiteren Nachdenken anregende Übersicht. Sie bringt ein wenig Ordnung ins Geflecht der diversen Ideologietheorien und ob man nun mit ihrem Ansatz übereinstimmen mag oder nicht, kann man sich immerhin daran abarbeiten.«

Markus Rackow, e-politik.de

 

 

»Amlingers sorgfältige Lektüre einiger zentraler Positionen zur Ideologietheorie kommt zu dem Ergebnis, dass nicht wenige der als kritisch, gar als »subversiv« gehandelten »Ansätze« ihr Versprechen nicht einlösen. [...] Das bemerkenswerte Buch, das zur Lektüre jedem empfohlen ist, der es mit seinem kritischen Selbstanspruch ernst meint, schließt mit einem Kapitel über den heutigen Gebrauchswert der diskutierten Positionen ab. Das ist für jede Gesellschaftstheorie eine Stunde der Bewährung.«

Werner Seppmann, Junge Welt

 

»Verdichtet und kenntnisreich stellt [Amlinger] die unterschiedlichen Konzepte in Beziehung zueinander und klopft sie hinsichtlich der daraus resultierenden Handlungsoptionen ab. [...] Amlinger hat eine erhellende Arbeit vorgelegt, die sich hervorragend als Einführung in marxistische Ideologietheorie eignet. Aber nicht nur das: Besonders in den explizit zur Lektüre empfohlenen Fußnoten und im kurzen Schlusskapitel stellt sie Bezüge zu aktuellen Diskussionen her und deutet Möglichkeiten einer Ideologiekritik auf der Höhe der Zeit an.«

Sebastian Friedrich, Melodie & Rhythmus

 

»Folgt man der Argumentation der Autorin, werden also quantitativ immer mehr Bereiche dem ideologischen Kapitalverhältnis untergeordnet und ›formell subsumiert‹. Damit geht andererseits auch eine qualitative Veränderung ideologischer Unterordnung einher: Sie wird in der Ausweitung auch intensiver. War das Ideologische zunächst eine falsche Repräsentation, ein verdrehtes Abbild des Bewusstseins (Marx/Engels), verändert es sich im Verlauf der Argumentation  zu einem komplexen Mechanismus der Herrschaftssicherung, der nicht nur die Praxis der Subjekte integriert (Althusser), sondern auch deren Glauben (Zizek) real subsumiert.« 

Pro Zukunft