Albert Camus – Journalist in der Résistance Bd. I

LAIKAtheorie
Band 50:
Jacqueline Lévi-Valensi (Hrsg.): Albert Camus – Journalist in der Résistance Bd. I
ISBN: 
978-3-944233-24-6
Erschienen November 2014
Preis: 
24,90 €
344 Seiten

Zwischen März 1944 und Juni 1947 war Albert Camus zunächst Untergrundautor, dann Chefredakteur und Leitartikler bei der Zeitung Combat. Seine Texte sind einerseits an die historischen Ereignisse ihrer bewegten Entstehungszeit mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen geknüpft und spiegeln diese mit einer beeindruckenden Unmittelbarkeit wider. Gleichwohl aber haben sie viel von ihrer Aussagekraft und Aktualität bewahrt. Sie sind so klarsichtige wie leidenschaftliche Zeugnisse eines Journalisten, der sich der Verantwortung für seine Epoche bewusst war, in der es zum Ende der Résistance darum ging, das Alltagsleben neu zu organisieren und die Zukunft Frankreichs und Europas zu skizzieren.

Camus sprach zahlreiche Themen an, etwa die Innenpolitik mit ihrer schwierigen Ingangsetzung der Demokratie. Aber auch die Außenpolitik, der Traum vom Aufbau internationaler Institutionen zur Sicherung des Weltfriedens spielten eine große Rolle. Er verhandelte viele weitere Fragen, u.a. die Rolle der aus der Résistance entstandenen Presse, Spanien, die Kolonialpolitik, dabei vor allem die Algerien-Frage. Wie eine theoretische Quintessenz dieser Zeit wirkt die Artikelserie »Weder Opfer noch Henker« aus dem Jahr 1946.

Camus’ Gedanken, seine Wachsamkeit und die Weigerung, komplexe Probleme mit einfachen Antworten zu befrieden, können auch unser heutiges Nachdenken über politische Konflikte und verantwortungsvolles Handeln erhellen.

Band I enthält alle Artikel und Leitartikel Camus’ bis zum Ende des Jahres 1944. Band II enthält jene der Jahre 1945 bis 1947 sowie einzelne Veröffentlichungen Camus’ aus den Jahren 1948 und 1949.

Albert Camus wurde am 7. November 1913 im nordwest-algerischen Dorf Mondovi (heute Dréan) geboren und starb am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall nahe Villeblevin, Frankreich. Camus wuchs in armen Familienverhältnissen in Algier auf, der Vater starb im Ersten Weltkrieg, die Mutter war Analphabetin.
Weltweite Anerkennung erlangte er durch sein literarisches Werk (Der Fall, 1956; Die Pest, 1947; Der Fremde, 1942) und seine Theaterstücke (u.a. Die Gerechten, 1948; Caligula, 1944). Weniger bekannt ist sein immenses journalistisches Werk.

Seine Artikel in libertär-sozialistischen Zeitschriften sowie sein Buch Der Mensch in der Revolte (1951) inspirierten anarchistische Bewegungen weltweit. Auch arbeitete er als Journalist für Algierer Tageszeitungen. Zwischen März 1944 und Juni 1947 war Albert Camus zunächst Untergrundautor, dann Chefredakteur und Leitartikler bei der Zeitung Combat. In seinen vielen Texten, die er für Combat schrieb, kommt die leidenschaftliche Stimme eines Schriftstellers im Angesicht der Geschichte zum Vorschein, eines von der Idee der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Wahrheit eingenommenen Menschen, der hartnäckig versuchte, moralische Kategorien in die Politik einzuführen und Respekt vor der menschlichen Würde verlangte: eine Stimme, die noch im gegenwärtigen Bewusstsein nachhallt.

Beide Bände zusammen beinhalten die Gesamtheit seiner 165 Artikel für Combat, ob namentlich gezeichnet, als von Camus stammend identifiziert oder legitimer Weise Camus zugeordnet. Die Herausgeberin Jacqueline Lévi-Valensi hat sie mit aufschlussreichen Kommentaren versehen.

 

Jacqueline Lévi-Valensis (1932–2004) Jugend wurde durch die Shoa geprägt. Ihre Eltern und ihr Bruder wurden von den Nazis in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ihr gelang die Flucht. Sie studierte klassische Literatur an der Sorbonne in Paris und war Dozentin in Laon, ab 1959 in Algier. 1965 Rückkehr nach Frankreich. 1981 Dissertation zur Genese des Werks von Albert Camus, 2006 bei Gallimard unter dem Titel Albert Camus ou la naissance d’un romancier (Albert Camus oder die Geburt eines Schriftstellers) erschienen.

1982 gründete sie zusammen mit Raymond Gay-Crosier die Pariser Albert-Camus-Gesellschaft und war Herausgeberin und Koautorin zahlreicher Werke über Camus. Für den Gallimard-Verlag und die berühmte Pléiade-Ausgabe großer Schriftsteller und Schriftstellerinnen initiierte sie die auf vier Bände angelegte Neuherausgabe der Gesamtwerke Camus’, die von 2006 bis 2008 veröffentlicht wurden, wovon sie die beiden ersten Bände noch zu ihren Lebzeiten abschließen konnte.

1998 wurde sie Vize-Präsidentin der regionalen jüdischen Gemeinde an der Somme. Sie war Mitglied bei Serge Klarsfelds »Vereinigung der Söhne und Töchter deportierter Juden Frankreichs« und war in ihren letzten Jahren unablässig als Zeitzeugin in Schulen präsent.
 

Pressestimmen: 

»Die Texte, die Camus für Combat schrieb, aber nicht immer namentlich zeichnete, hat Jacqueline Lévi-Valensi schon vor zehn Jahren in einer vorbildlichen Edition versammelt. Jetzt ist diese Artikelsammlung in zwei Bänden mitsamt umfangreichem Anmerkungsapparat in der genauen deutschen Übersetzung von Lou Marin erschienen. [...] Neben seinen literarischen Klassikern und philosophischen Essays haben auch seine Zeitungsartikel überlebt – es sind Meisterwerke des Journalismus.«
Jürg Altwegg, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

»Um den Literaturnobelpreisträger Albert Camus (1913-1960) ist es ruhig geworden. [...] Umso verdienstvoller ist es, dass sich jetzt eine zweibändige Ausgabe von Camus' journalistischen Arbeiten aus der Zeit der Résistance und der ersten Nachkriegsjahre von der peinlichen Lobhudelei ab- und der seriösen Aufarbeitung der im Deutschen nur teilweise bekannten politischen Schriften zuwendet. Die mustergültige Edition [...]vermittelt einen guten Einblick in eine spannende Phase der französischen Geschichte.«
Rudolf Walther, taz

»Unermüdlich setzt sich der Journalist Camus in Combat mit dem Zeitgeschehen auseinander. Seine Analysen rütteln auf, stellen Fragen, greifen an. [...] Die nun auch auf Deutsch erhältlichen Artikel [...] geben nicht nur einen Einblick in die Zeitgeschichte, sondern zeigen einmal mehr Camus’ mutiges und hartnäckiges Engagement für eine menschliche Welt.«
Günter Rohleder, SWR 2

 

»Wie stand der Schriftsteller Albert Camus zur Résistance? Er hat sich als Journalist im antifaschistischen Kampf engagiert. Dem Laika-Verlag ist es zu verdanken, dass seine zunächst in einer Untergrundzeitschrift und nach der Befreiung von Paris im August 1944 in der Tageszeitung Combat erschienenen Texte nun auch in deutscher Sprache studiert werden können.«
junge Welt

 

»Camus bleibt in seinen Ausführungen jedoch nicht nur im Bereich des philosophischen Denkens, sondern analysiert die Nachkriegsordnung, die Rolle der Demokratie, der Nationalstaaten und der UNO. Es wird gut sichtbar, wie er als engagierter Intellektueller seine Rolle wahr nimmt und versucht sich diesbezüglich eine Position zu erarbeiten. Ein politische Haltung für die er später auch von vielen Linken (Intellektuellen) kritisiert und angefeindet wurde, da er sich nicht unter den Reihen der Verteidiger des Sowjetsozialismus finden ließ. Seine Sympathien galten mehr den Kriegsdienstverweigerer oder den spanischen Anarchisten. Über seine Sympathien zum libertären Denken lässt sich sowohl im Schlussteil von Mensch in der Revolte, als auch in anderen Journalistischen arbeiten einiges finden. Lou Marin der Herausgeber, des bereits erwähnten Laika Bands, Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960), hat einiges dazu beigetragen, dass diese Facette im Denken und politischen Engagement Camus mehr Beachtung erfährt.«
Andreas Gautsch, Anarchistische Bibliothek & Archiv Wien