Lewis Grassic Gibbon: Spartakus

PROGRAMM
Band 17:
Lewis Grassic Gibbon: Spartakus
ISBN: 
978-3-944233-84-0
Erscheint im April 2017
Preis: 
18,50 €
256 Seiten

Den Roman Spartakus über den dritten großen Sklavenaufstand im Jahr 73 v. Chr. schrieb Lewis Grassic Gibbon 1933. Er stellt sich dabei in uneingeschränkter Solidarität, aber ohne heroische Überzeichnung, auf die Seite der Ausgebeuteten, Unterdrückten und Aufständischen gegen die Herrschenden, die am Ende barbarisch siegten: 71 v. Chr. schlugen diese mit großer Übermacht nach einer Reihe von Niederlagen den Sklavenaufstand mit 60.000 Toten blutig nieder. Die Überlebenden 6000 Sklaven wurden auf der Straße zwischen Capua und Rom gekreuzigt und als Trophäen ausgestellt. Neben der historischen Darstellung durchzieht den Roman die philosophische Frage, wie eine freie Gesellschaft aussehen könnte.

Gibbons Spartakus stand lange im Schatten des im Jahr 1951 veröffentlichten Romans von Howard Fast über den Sklavenaufstand, der später auch verfilmt wurde. Dabei gilt Gibbons Roman als ein Meisterwerk lebendiger Geschichtserzählung. Ihn auch einer deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war längst überfällig.

 

 

Aus dem Englischen von Rosemarie Nünning

 

James Leslie Mitchell alias Lewis Grassic Gibbon wurde 1901 bei Auchterless in Schottland geboren. Er arbeitete als Reporter, trat in die Armee ein und lernte den Mittleren Osten, Indien und Ägypten kennen. Später wurde er freischaffender Schriftsteller und veröffentlichte bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1935 sechzehn Bücher.
Mitchell war marxistischer Internationalist. 1917 beteiligte er sich an der Gründung des Aberdeener Sowjets. Mitchell ist vor allem bekannt für seine Romantrilogie A Scots Quair, auf Deutsch Ein schottisches Buch.

Pressestimmen: 

Rezension aus Marx 21, 50. Ausgabe:
Der famoseste Kerl der Antike
Nach Spartakus wurden Zeitungen und Organisationen benannt. Stanley Kubrick verfilmte sein Leben. Nun erscheint auch ein der Roman über den rebellischen Sklaven auf Deutsch
Von Einde o‘Callaghan

Für Marx war Spartakus ein »wahrer Vertreter des römischen Proletariats« und »der famoseste Kerl, den die ganze Antike aufzuweisen hat«. Dieser Ruf in der Arbeiterbewegung war auch der Hintergrund dafür, dass Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring und andere ihre illegale im Untergrund erschienene revolutionäre Antikriegszeitung »Spartakusbriefe« und die von ihnen mitgegründete Organisation »Spartakusbund« nannten. Von Spartakus selbst ist wenig bekannt. Es wird vermutet, dass er als Kriegsgefangener aus Thrakien, etwa dem heutigen Bulgarien, geholt wurde und dann als Gladiator ausgebildet wurde, um in den römischen Kampfspielen zu kämpfen, wobei die Kämpfenden um ihr Leben für das Vergnügen der Bevölkerung Roms kämpfen mussten. Was wir über Spartakus wissen, stammt hauptsächlich vom antiken griechischen Autor Appian, der natürlich aus Sicht der römischen Herrscher schrieb. Trotzdem wissen wir, dass Spartakus einen Aufstand in der Gladiatorenschule anführte und sich Massen von Sklaven seiner ursprünglich kleinen Bande anschlossen, bis sie ein riesiges Sklavenheer bildeten. Dank der strategisch klugen Führung von Spartakus konnten sie mehrere kampferfahrene römische Legionen schlagen. Bis schließlich Rom selbst verteidigungslos vor ihnen lag. Statt der Stadt zu erobern, wandte sich Spartakus nach Norden, als ob er seine Gefolgsleute aus Italien führen wollte. Dann kehrte er aber in den Süden Italiens zurück, wo nach dem Verrat durch Piraten, die die aufständischen Sklaven aus Italien nach Sizilien bringen sollten, endlich die Römer mit frischen aus anderen Teilen des römischen Reichs zurückgeholten Truppen Spartakus’ Armee niederschlugen, wobei Spartakus selbst in der Schlacht fiel. Danach wurden 6.000 Rebellen von den römischen Siegern entlang der Via Appia von Rom nach Capua gekreuzigt. Die Figur Spartakus ist vielleicht einigen aus der Fernsehserie gleichen Namens bekannt, die vor einigen Jahren auf RTL Crime für drei Staffel ausgestrahlt wurde. Oder aus dem gleichnamigen Roman vom amerikanischen Linken Howard Fast bzw. aus dessen Verfilmung 1960 durch Stanley Kubrick mit Kirk Douglas in der Titelrolle. Aber einen weiteren Roman zu diesem Thema vom schottischen Kommunisten James Leslie Mitchell, der unter dem Pseudonym Lewis Grassic Gibbon schrieb. Das Buch erschien erstmals im Jahre 1933 und ist gerade in der deutschen Übersetzung von Rosemarie Nünning veröffentlicht worden. Während die Darstellung von Fast etwas romantisiert ist, ist Mitchell/Gibbon eher den historischen Begebenheiten treu.
So werden die Aufständischen nicht als moderne Menschen dargestellt, die aus dem 20. bzw.
21. Jahrhundert zurück in die römische Antike zurückversetzt werden. Die verschiedenen Charaktere sind Menschen ihrer Zeit mit den dazugehörigen Stärken und Schwächen. Die Hauptfiguren – Kleon der Grieche, Brennus der Gallier, Titul aus Iberien, Gerschom der Jude, Gannicus der Germane und viele andere mehr – werden als wirkliche Menschen mit den Vorstellungen und Vorurteilen ihrer Zeit dargestellt. Auch die Brutalität der Gesellschaft wird schonungslos gezeigt: ganz am Anfang des Buches, z. B., als Petronia, die die Sklaven gefangen hatten und dann wieder befreiten, zu ihrem Mann Petronius, einem römischen Patrizier, zurückkehrt, tötet er sie, weil sie entehrt wurde. Und auch die Sklaven sind keineswegs zimperlicher. Aber zwei Figuren überragen alle Anderen – Spartakus selbst, der z. B. die gesamte Kriegsbeute gleich unter allen verteilen lässt, und seine Gefährte Elpinike – als mögliche Vorboten der Zukunft. Obwohl das Ende schon von Anfang an bekannt ist, ist das Buch äußerst spannend, da der Autor sehr glaubwürdig die Motivation und die Haltung der verschiedenen Akteure darzustellen vermag. ■

★★★
BUCH | Lewis Grassic Gibbon | Spartakus | Laika Verlag | Hamburg 2017 | 256 Seiten | 18,50 €