Rainer Just, Gabriel Ramin Schor (Hrsg.): Vorboten der Barbarei – Zum Massaker von Utøya
Wer ist hier verrückt?
Rezension in der ZEIT vom 29. Dezember 2011
Von Maximilian Probst
Die Frage, ob Anders Behring Breivik, der Attentäter von Utøya, verrückt ist, spaltet derzeit Norwegen. Hierzulande ist nun ein Sammelband erschienen, in dem Wissenschaftler und Publizisten diese Frage bereits hinter sich lassen. Denn auch wenn Breivik verrückt sein sollte, so habe sein Wahn Methode – eine, die »ins finstere Herz der eigenen Kultur« führe, so Georg Seeßlen. Neben kürzeren Stücken unter anderem von Slavoj Žižek, vertiefen diese Einsicht die Essays der Wiener Herausgeber. Gabriel Ramin Schor verknüpft das Attentat mit dem politisch-ökonomischen Rahmen einer an sich selbst scheiternden EU; Rainer Just leuchtet das Paradox von Breiviks »Europäischer Unabhängigkeitserklärung« aus: strukturell State oft the Art, ein Facebook-kompatibles, postmodernes Werk – das aber eine vormoderne, heroische Identität bewirbt. Breiviks Terror, lautet Justs Fazit, kommt als Gespenst der Aufklärung aus dem Innersten der Bibliothek.
