Bringt die Truppen nach Hause!« fordert die internationale Friedensbewegung seit den ersten imperialistischen Militärinterventionen. Die Parole »Bringt den Krieg nach Hause!« gehört eher der radikalen Linken. Zur Zeit des Vietnamkrieges war sie der zentrale Slogan der US-Untergrundbewegung Weather Underground und am vergangenen Sonntag Titel einer Veranstaltung mit Filmvorführung im Berliner Mehringhof.
In den Flimmerkisten wurden zur besten NRW-Wahlauswertungszeit Prozente, Sitze und Koalitionen verhandelt. In der Gaststätte Clash gab es ein Alternativprogramm der außerparlamentarischen Art. Auf Initiative des umtriebigen früheren Militanten Karl Heinz Dellwo von der Bibliothek des Widerstands und des Mainzer Ventil-Verlages waren die früheren Weathermen Bernardine Dohrn und Bill Ayers gekommen. An der Seite der Ex-US-Stadtguerilla saß der antimilitaristische Vietnam-Veteran Stephen Summers. Dellwo erklärte kurz die Entstehungsgeschichte der Filmdokumentation »The Weather Underground«, die seit neuestem vom LAIKA-Verlag vertrieben wird. Die Arbeiten zum Film waren vor den Anschlägen des 11. September begonnen worden. Die Erstaufführung erfolgte im März 2003, als US-Streitkräfte den Irak überfielen.
Ein ehemaliger FBI-Mann, der auf die Weathermen angesetzt war, bestätigt im Film, daß ihnen mit herkömmlichen Überwachungsmethoden nicht beizukommen war. Protest und Widerstand gegen den immer brutaler werdenden Indochinakrieg standen im Visier eines verdeckten FBI-Programms. Provokateure und Spitzel wurden in militante Organisationen eingeschleust. Die staatliche Repression steigerte sich bis hin zu Polizeimorden an Repäsentanten der Black Panthers wie Fred Hampton.
Nach der Niederlage der USA begann die Auflösung des Weather Underground. Die Mehrheit stellte sich der Staatsanwaltschaft. Im Gegensatz zu den Panthers konnten die Weathermen und ihre Anwälte umfangreiche Anschuldigungen entkräften, die aus dem geheimen COINTELPRO-Programm hervorgegangen waren. Ayers und Dohrn kamen mit vergleichsweise geringen Haftstrafen davon. Ihr früherer Mitstreiter David Gilbert sitzt nach wie vor eine lebenslange Haftstrafe ab.
Nach dem Film gab es eine interessante Debatte über die politische Bedeutung des Widerstandes. Konfrontiert mit einschlägigen Begrifflichkeiten des damaligen Protestes unterlief der jüngeren Dolmetscherin ein netter Übersetzungslapsus, als sie aus mutwillig verbrannten Einberufungsbescheiden kurzerhand verbrannte BHs machte. Das sorgte für kurzfristige Irritation im Publikum. Einige Altaktivisten boten an, selber zwischen dem US-amerikanischen Englisch und dem Deutschen zu vermitteln. Kontroverser wäre es sicher noch mit dem Kreuzberger Grünen-Matador Ströbele zugegangen. Ein auswärtiger Termin und möglicherweise auch der mit der NRW-Wahl verknüpfte grüne Wahltaumel hatten ihn leider davon abgehalten, neben Dellwo, Summers und dem Weathermen-Pärchen auf dem Podium Platz zu nehmen.
Zur Verblüffung einiger Interessierter glänzte der als Mitveranstalter angekündigte Ventil-Verlag ebenfalls durch Abwesenheit. Die Mainzer haben sich eine gute Gelegenheit entgehen lassen, ihre neue Publikation zum Thema zu präsentieren. Unter dem deutschen Titel »Flüchtige Tage« ist gerade die Autobiographie von Bill Ayers frisch aus der Druckpresse gekommen. Leider hatten es die neuen Bücher nicht rechtzeitig nach Berlin geschafft.
Nach der Veranstaltung führten Bommy Baumann und Till Meyer für jW ein längeres Interview mit Bernardine Dohrn und Bill Ayers, an deren hoffentlich korrekter Übersetzung derzeit gestrickt wird.
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