Wenn die Toten erwachen – Die Riots in England 2011
ISBN: 
978-3-942281-23-2
Erschienen März 2012
Preis: 
14,90 €
184 Seiten

Im August 2011 standen in London-Tottenham – wie in den Pariser Banlieus einige Jahre zuvor – ganze Straßenzüge in Flammen. Die Medien reagierten hier wie dort mit den Verdikten Mob und Pöbel zur Kennzeichnung derjenigen, die angesichts ihrer persönlichen Perspektivlosigkeit nur noch die Perspektive des Amoks entwickeln konnten, um ihrer Lage Ausdruck zu verleihen.

Der Begriff Mob ist aus dem lateinischen mobile vulgus = unkontrollierbare Voksmenge entlehnt, so wie Pöbel aus dem lateinischen pobulus das gemeine Volk bezeichnet. Dieser – bar jeder Denunziation sich verstehende – Mob, dem man die Sprache genommen und die Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben gestohlen hat, reagierte nun mit unmittelbarer Gewalt. Die Tragik liegt nicht in dieser Äußerung der Gewalt, sondern im Ort an dem sie sich vollzog. Nicht Chelsea, Belgravia und die City of London standen in Flammen, sondern die zu Slums verkommenen Quartiere der Verelendeten selbst. Die Freude über den Götterfunken war verfrüht, denn er hatte seinen Ort noch nicht gefunden. Das könnte bald anders  werden, denn die schweigende Mehrheit in ganz Europa bekommt allmählich einen Begriff ihrer tatsächlichen Lage.

Zwar hat die französische wie englische Bourgeoisie mit drakonischer Verfolgung und ebensolchen Strafen auf dieses  kurze Aufflackern einer noch sprach- und ziellosen Revolte reagiert, der Funke in den Metropolen Europas glimmt jedoch noch und kann schon bald zu einem Flächenbrand werden, der die Kathedralen des Kapitals nicht nur in London zu leuchtenden Fackeln macht.

 


zu den Autoren:

Einige der Autoren dieses Bandes haben Namen oder sind, wie Slavoj Žižek, von politischer Bekanntheit; andere bleiben anonym. Allen ist die Überzeugung gemeinsam, daß die Destruktivität nicht bei denen beginnt, die sich gegen ihr gesellschaftlich aufoktroyiertes Lebensunglück aufbäumen, sondern in den Zwängen des kapitalistischen Systems begründet ist.

Pressestimmen: 

»Das vorliegende Buch beschäftigt sich aus linker Perspektive eingehender mit den Riots in London im August 2011, die nach dem Mord Mark Duggans durch die Polizei ganze Viertel überzogen, aber auch auf andere Städte in Großbritannien übergriffen. Hierbei werden sowohl die unterschiedlichen Positionen innerhalb der radikalen Linken aufgezeigt, wenn es um die Analysen der Ereignisse geht, als auch immer wieder der politische Charakter der Geschehnisse in den Vordergrund gestellt. Ein Großteil der Texte wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und es kommen unterschiedlichste Autor_innen zu Wort – oft auch mit konträren Ansichten. So ist es kein in sich geschlossenes Werk, sondern eine Textsammlung, die durchaus Raum für Fragen und eigene Schlüsse lässt. (...)
Das Buch lässt mich mit vielen Fragezeichen zurück, aber auch mit vielen neuen Inspirationen. Die Dimension der Aufstände lässt eine genaue Analyse nur schwer zu: Zu viele verschiedene Faktoren können hierbei betrachtet werden, die Frage nach Polizeigewalt, sozialer Deprivilegierung und Marginalisierung, die Rolle von Städten und Gentrifizierung, Ausschluss von Konsum als weitere Widerwärtigkeit des kapitalistischen Systems und die Frage nach Alternativen werden auch von der Linken nur angetastet, aber können nicht ausreichend geklärt werden. Gerade die Auseinandersetzung um die Moralität der Aufstände ist jedoch sehr wertvoll und bietet Einblicke in das weite Spektrum der Linken. Im Buch finden sich keine wissenschaftlichen Texte oder stumpfe Pamphlete – aus den meisten der Texte sprechen die Emotionen, die sich beim Schreiben ergeben haben; über Wut und Verzweiflung bis hin zu Erstaunen über die Geschehnisse selbst.«


Peps Perdu, kritisch-lesen.de