Dort, wo soziale Konflikte nicht gelöst werden können, sind sie, laut Žižek, „falsche“ Konflikte, Konflikte, deren Koordinaten bestimmt sind von einer ideologischen Mystifikation. Diese Mystifikation kann der bürgerliche Eigentumsbegriff sein und der „freie Markt“. Das Problem der Armut ließe sich so nicht lösen. Hier müssen wir für einen kommunistischen Kampf mobilisieren. Das Ändern der Koordinaten kann bedeuten, sich auf eine andere soziale Ordnung zu beziehen. Kommunismus als Bewegung sollte gegen diese Sackgassen intervenieren, in die das bürgerliche System die Menschen strukturell hineinprügelt. Seine erste Geste sollte sein, das Problem zu redefinieren und die Art zurückzuweisen, in der das Problem im öffentlichen Raum dargestellt wird.
Als Beispiel nennt Žižek den Konflikt zwischen Israel und Palästina, von dem heute gesagt wird, er sei ein Kampf zwischen den westlichen säkularen Demokratien und dem muslimischen Fundamentalismus. Wenn das Problem in diesen Kategorien gestellt und begriffen wird, kann es nicht gelöst werden; wir sind dann in einer Sackgasse. Die kommunistische Herangehensweise wäre die, diese Begriffe zurückzuweisen und einen aktuellen dritten Weg zu definieren. Žižek richtet sich gegen das Diktat der herrschenden Leitkultur, die eben auch nur zu einer Politik für die Herrschenden führen kann.
»Der Pessimist Žižek setzt sich für eine Neuerfindung des Kommunismus ein – und geht dabei mit der Politik der Linken hart ins Gericht. So schreibt Slavoj Žižek hinsichtlich der Krise Griechenlands und des Umgang der Linken mit dieser Krise:
„Die Geschichte der Linken bezeugt wieder einmal die Misere der heutigen Linken: Ihre Proteste besitzen keine positiven programmatischen Inhalte, nur eine verallgemeinerte Ablehnung, den bestehenden Sozialismus zu kompromittieren.“ Die Linken, so Žižek, hätten eben keine radikalen Alternativen entwickelt, um der heutigen Krise des Kapitalismus erfolgreich begegnen zu können. Man sollte in Žižeks Büchern aber auch keine Lösungen für die Krisen unserer Zeit erwarten. Viel mehr bieten sie mal waghalsige, mal wagemutige Gedankenspiele. Žižeks Bücher sind nicht etwa ein Manifest für einen neuen Kommunismus, sondern ein Manifest für die Eigenwilligkeit des Denkens.«
Ingo Petz, Deutschlandfunk, »Andruck«


