Band 14:
Rainer Just / Gabriel Ramin Schor (Hrsg): Vorboten der Barbarei – Zum Massaker von Utøya
ISBN: 
978-3-942281-19-5
Erschienen Oktober 2011
Preis: 
17,90 €
144 Seiten

Ist das Massaker von Utøya ein Akt der Gewalt, der sich jeder Nachvollziehbarkeit widersetzt? Wie ist es möglich, dass jemand neunundsechzig Menschen, hauptsächlich Kinder und Jugendliche, ermordet, sie Auge in Auge kaltblütig erschießt, um sich anschließend zu rechtfertigen, diese Tat wäre zwar grausam gewesen, aber politisch notwendig? Hat dieser Wahnwitz eine Logik?

Es wäre eine Form von Abwehr, nicht nach den Gesetzen aktueller Gewalt zu forschen; es käme einer Verdrängung gleich zu postulieren, bei diesem Terroristen handle es sich bloß um einen Verrückten, um ein Monstrum, dessen Tat »mit uns nichts zu tun« hätte. Das Monströse demonstriert etwas: es offenbart, in seiner verrückten Dimension, auch etwas von der systemischen Gewalt, die in der Ordnung unserer Gesellschaft gründet. Das Massaker von Utøya fordert heraus, über die Monstrosität der Normalität nachzudenken.

In diesem Band finden sich unterschiedliche Versuche, sich dem radikal Inhumanen nachdenklich und schreibend zu stellen. Es sind Erwiderungen, die sagen wollen, wie notwendig es ist, den Vorboten der Barbarei, die in der Mitte unserer Gesellschaft stehen, mit kritischem Blick zu begegnen.

 


Rainer Just, geboren 1971 in Wien; Studium der Komparatistik und der Deutschen Philologie; lehrt seit 2004 Literaturtheorie am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Wien; Schwerpunkte sind Kritische Theorie, Psychoanalyse und Poststrukturalismus. Daneben schriftstellerische Tätigkeiten; derzeit Arbeit am Roman Aus dem Kopf, der nächstes Jahr erscheinen wird.

Gabriel Ramin Schor, geboren 1967; Studium der Philosophie in Wien. Lehrte zuletzt an der Kunstuniversität Linz. Forscht und publiziert zur Kunst seit 1800. Zurzeit arbeitet er an einem Filmprojekt über den Apostel Paulus.

Mit Texten von: 
Isolde Charim, Klaus Ganglbauer, Rainer Just, Gabriel Ramin Schor, Georg Seeßlen und Slavoj Žižek.
Pressestimmen: 

Die Frage, ob Anders Behring Breivik, der Attentäter von Utøya, verrückt ist, spaltet derzeit Norwegen. Hierzulande ist nun ein Sammelband erschienen, in dem Wissenschaftler und Publizisten diese Frage bereits hinter sich lassen. Denn auch wenn Breivik verrückt sein sollte, so habe sein Wahn Methode – eine, die »ins finstere Herz der eigenen Kultur« führe, so Georg Seeßlen. Neben kürzeren Stücken unter anderem von Slavoj Žižek, vertiefen diese Einsicht die Essays der Wiener Herausgeber. Gabriel Ramin Schor verknüpft das Attentat mit dem politisch-ökonomischen Rahmen einer an sich selbst scheiternden EU; Rainer Just leuchtet das Paradox von Breiviks »Europäischer Unabhängigkeitserklärung« aus: strukturell State oft the Art, ein Facebook-kompatibles, postmodernes Werk – das aber eine vormoderne, heroische Identität bewirbt. Breiviks Terror, lautet Justs Fazit, kommt als Gespenst der Aufklärung aus dem Innersten der Bibliothek.
Maximilian Probst, DIE ZEIT