Band 7:
Werner Seppmann: Dialektik der Entzivilisierung – Krise, Irrationalismus und Gewalt
ISBN: 
978-3-942281-09-6
Erschienen Oktober 2011
Preis: 
34,90 €
476 Seiten

Die ökonomische Krise ist nur die eine Seite einer kapitalistischen Widerspruchsentwicklung. Unübersehbar geworden sind auch soziale Auflösungs- und zivilisatorische Rückschrittstendenzen. Eine zunehmende Alltagsgewalt und die Renaissance irrationalistischer Weltbilder sind jedoch keine Abweichungen von dem „Tugendpfad“ einer kapitalistischen „Moderne“, sondern die zwangsläufigen Konsequenzen ihrer sozioökonomischen Organisationsform:

Durch die prägende Dynamik des Konkurrenzprinzips und der Verallgemeinerung profitorientierter Zweckrationalität in fast allen Lebensbereichen, werden aggressive Durchsetzungstrategien und die feindliche Haltung gegenüber dem Mitmenschen zur Bedingung individueller Existenzsicherung.

Formen struktureller Gewalt und Irrationalität, von den imperialistischen Strategien der Ressourcensicherung bis zur sozialen Ausgrenzung der für die Mehrwertproduktion nicht mehr benötigten Arbeitskraftverkäuferinnen und -verkäufer, duplizieren sich in der Bedenkenlosigkeit alltäglicher Verhaltensmuster. Selbstzerstörerische Kräfte, die unter stabileren gesellschaftlichen Bedingungen mühsam zivilisiert werden konnten, werden zunehmend freigesetzt. So kann die Gewalt der Amokläufer, die in immer kürzeren Abständen aufbricht, als eines der Symptome des zivilisatorischen Verfalls begriffen werden. Denn oft ist sie die hilflose Reaktionsform von Menschen, die sich in ihren bedrängenden Lebensverhältnissen kaum anders zur Geltung bringen können, als durch ein wildes um sich schlagen. Soziale Gewalt in der Form identitätszerstörender Lebensbedingungen schlägt als unkontrollierte Wut und hemmungsloser Selbstzerstörungszwang auf die Gesellschaft zurück.

 


Werner Seppmann (geb. 1950) hat nach Berufstätigkeit und »Zweitem Bildungsweg« Sozialwissenschaften und Philosophie studiert. Langjährige Zusammenarbeit mit Leo Kofl er. Vorstandsmitglied der Marx-Engels-Stiftung. Zahl- reiche Veröffentlichungen zur Sozialstrukturanalyse, Marxismusforschung, Dialektischen Philosophie, Ideologietheorie, Kritischen Gesellschaftstheorie, Klassenanalyse und Kultursoziologie. Zuletzt sind u.a. erschienen: Die verleugnete Klasse – Zur Arbeiterklasse heute sowie Risiko-Kapitalismus – Krisenprozesse, Widerspruchserfahrungen und Widerstandsperspektiven und im LAIKA Verlag Subjekt und System – Der lange Schatten des Objektivismus.