Band 28:
Lou Marin (Hrsg.): Albert Camus – Libertäre Schriften (1948-1960)
ISBN: 
978-3-942281-56-0
Erschienen Oktober 2013
Preis: 
24,90 €
384 Seiten

Albert Camus’ literarisches Werk ist weltberühmt und zählt zur herausragenden Literatur des 20. Jahrhunderts.  Weniger bekannt ist seine Beschäftigung mit dem Anarchismus. Gerade aber die Auseinandersetzung mit dem libertären Denken war für Camus nach dem Zweiten Weltkrieg von großer Bedeutung.

Bereits 1940 lernte Camus Rirette  Maîtrejean, eine der bedeutendsten damaligen französischen Anarchistinnen, kennen. Mit jungen libertären AktivistInnen diskutierte er 1948 über ein gemeinsames Verständnis der damaligen Welt. 1949 schrieb Camus dann seinen ersten Artikel in der anarchistischen Presse – damit begann eine Zusammenarbeit, die bis zu seinem Tod fortdauerte. Sie war durch starke persönliche Freundschaften besiegelt, die von gegenseitiger Wertschätzung, Herzlichkeit und Verbundenheit über gemeinsame Kämpfe gekennzeichnet war.

In dieser nun erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegenden Aufsatzsammlung zeigen sich die Entwicklungswege im Denken Camus’ zu Zeiten des Kalten Kriegs, seine Entschlossenheit, weder der einen noch der anderen Großmacht nachzugeben. In jener Zeit war Camus der einzige französische Intellektuelle, der sich bewusst auf ein drittes Lager stützte: das der Kriegsdienstverweigerer, der mundtot und vergessen gemachten Anti-Kolonialistinnen und der revolutionären Syndikalistinnen.

Der vorliegende Band versammelt Schriften Camus wie auch Artikel anderer AutorInnen und ermöglicht erstmalig einen vollständigen Überblick über das Denken und Wirken Camus’ – und so ein umfassendes Verständnis dieses »Menschen in der Revolte«.


»Die Schriftsteller waren immer an der Seite des Lebens – gegen den Tod. Wo wäre die Würde dieses lächerlichen Berufs, wenn nicht gerade in der unablässigen Fürsprache für die Sache des Menschen und des Glücks?«
Albert Camus

 

 


Albert Camus wurde am 7. November 1913 im nordwest-algerischen Dorf Mondovi (heute Dréan) geboren und starb am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall nahe Villeblevin, Frankreich. Von 1935 bis 1937 war er Mitglied der Kommunistischen Partei. 1935 gründete er das »Theater der Arbeit«. Die Romane Der Fremde und Die Pest begründeten seinen literarischen Ruhm. 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Lou Marin, geboren 1961, lebt als Journalist, Buchautor und Übersetzer seit 2001 in Marseille/Frankreich. Er engagiert sich in der Friedensbewegung der achtziger sowie in antimilitaristischen, antisexistischen und antirassistischen Initiativen der neunziger Jahre. Seit 1980 ist Lou Marin Autor, war Mitgleid verschiedener Redaktionen und ist bis heute Mitherausgeber der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution.

Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen in deutscher, englischer und französischer Sprache. Sein Buch Camus et les libertaires (1948–1960) erschien 2008 bei Égrégores und als Neufauflage unter dem Titel Albert Camus: Écrits libertaires (1948–1960) 2013 bei Indigène Éditions.

Pressestimmen: 

 »Was? Camus war gar nicht jener nette antitotalitäre Junge, der den Weg für die Denker-Größen vom Schlage BHL [Bernard Henri-Lévy], Glucksmann und Michel Onfray bahnte? Er war nicht Anhänger dieser Halbheiten, die sich jeder – sogar noch Sarkozy – aufs Brot schmieren kann? Was, Camus verkehrte mit Anarchisten? Und hat sogar deren Denken eingesogen? Dieses ›libertäre Denken, von dem ich glaube, dass darauf die künftige Gesellschaft nicht wird verzichten können?‹ (...)

Es ist ganz das Verdienst von Lou Marin, einem langjährigen Aktivisten der deutschsprachigen gewaltfrei-anarchistischen Strömung ›Graswurzelrevolution‹, diese unbekannten Texte ausgegraben, gesammelt, geordnet und eingeleitet zu haben, sodass man mit gutem Vorwissen in die Debatten der Zeit eintauchen kann – von denen viele heute noch von brennender Aktualität sind und andere vergessen...«
Jean-Luc Porquet, Le Canard enchaîne

 

»Das besondere Interesse an diesen von Lou Marin zusammengetragenen und eingeleiteten Texten liegt vielleicht darin, dass jener libertäre Aspekt von Camus in dem Moment ans Tageslicht tritt, an dem die Staaten über Versuche reden, Traditionen, Methoden und eine Machtfülle zu konservieren, die nicht mehr oder kaum mehr funktionieren.«
Daniel Cohn-Bendit, Le Nouvel Observateu

 

»Da dachte man schon, alles von Camus auswendig zu kennen und findet dann doch noch unentdeckte Bereiche in seinem Werk? [...] Niemals vor dieser Initiative sind diese für Zeitschriften wie Le Monde libertaire, La Révolution prolétarienne, Solidaridad Obrera oder Die freie Gesellschaft geschriebenen Texte in dieser thematischen Form versammelt worden. Sie werfen ein anderes Licht auf das Denken und das Werk des Philosophen.«
Hubert Prolongeau, Marianne

 

»Wie mutig Camus Denken in der Zeit des Kalten Krieges war, wie nah seine moralischen Überzeugungen an den anarchistischen Visionen einer gewaltfreien, sozialistischen Gesellschaft lagen, zeigt vielfältig der vom Journalisten und Politaktivisten Lou Marin herausgegebene Band Albert Camus - Libertäre Schriften.

Dokumentiert sind darin, erstmals ins Deutsche übersetzt, Artikel und Briefe Camus, sowie publizistische Antworten und Diskussionsbeiträge namhafter Anarchisten. Man kann durch diese klug kommentierte Materialsammlung den Autor und Nobelpreisträger Camus als streitbaren Moralisten neu kennenlernen - zum einen engagiert in den politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Und zum anderen als Impulsgeber eines Denkens, das auch heute Perspektiven auf ein menschliches Miteinander eröffnen kann.«
Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur

 

»Daniel Cohn-Bendit empfahl im Nachrichtenmagazin Le Nouvel Observateur die Aufsätze europäischen Politikern zur Lektüre. [...] Lou Marins Auseinandersetzung mit Michel Onfray ist die ergiebigste aktuelle Debatte um Camus.«
Jürg Altwegge, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

»Das Buch ist eine Offenbarung. Da fühlt man sich einem politischen Schriftsteller, der vor über einem halben Jahrhundert starb, nah, so nah.«
Rupert Neudeck, Neues Deutschland

 

»Camus wurde nicht müde, seine philosophischen Gedanken in tätiges politisches Handeln umzusetzen; die vorliegende Sammlung von Zeitungs- und Diskussions- Beiträgen gibt darüber Aufschluss.«
Helga Sporer, Widerspruch – Münchner Zeitschrift für Philosophie