Band 44:
Susann Witt-Stahl / Michael Sommer (Hrsg.): »Antifa heißt Luftangriff!« – Regression einer revolutionären Bewegung
ISBN: 
978-3-944233-13-0
Erschienen Juni 2014
Preis: 
21,00 €
216 Seiten

Antifaschismus heute ist zunehmend systemfromm und affirmativ – oftmals pure Ideologie. Mit marxistischer Analyse des Faschismus als terroristische Form bürgerlicher Herrschaft hat er immer weniger zu tun, meinen die
 Herausgeber des Bandes.

Sie legen eine Sammlung von Streitschriften vor, die deutlich machen, was Antifaschismus nicht sein darf. Die zentrale These von Susann Witt-Stahl und Michael Sommer lautet: Antifaschismus droht zur Ode an die freie Marktwirtschaft zu verkommen. Er entwickelt sich zum Teil des Problems, nicht mehr der Lösung. Das ist eine ideologische Meisterleistung des Neoliberalismus.

 


Michael Sommer arbeitet zur Marxschen Theorie des Kapitalismus. 2008 hat er gemeinsam mit Dieter Wolf eine Kritik am griechisch-französischen Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen Cornelius Castoriadis veröffentlicht.

Susann Witt-Stahl ist freie Journalistin und Autorin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Ideologiekritik neoliberaler Politik, der modernen Kriege, der Kulturindustrie, gesellschaftlicher Naturverhältnisse sowie reaktionärer Tendenzen in der Linken. Darüber hinaus berichtet sie für Tageszeitungen und Magazine u.a. über internationale Krisen, beispielsweise aus dem Nahen Osten und der Ukraine. 

Pressestimmen: 

»Einen weiteren Höhepunkt stellt das enthaltene Gespräch mit Moshe Zuckermann dar, der seine Kritik der Adorno Rezeption mit einer zielgenauen Analyse der ›bellizistischen Bedürfnisse‹ (192) und ›narzisstischen Dimension‹ (197) von Teilen der Linken verbindet.«
Florian Geisler, Portal für Politikwissenschaft


»Der Titel, Antifa heißt Luftangriff, ist ein Zitat. Wenn also hochgerüstete Staaten ihre Bombenflugzeuge einsetzen um Angst, Tod und Schrecken unter der Zivilbevölkerung zu verbreiten, dann ist dies Antifaschismus. Wie solche Haltungen Gestalt annehmen konnten, woher sie ihre Motivationen beziehen und mit welchen rhetorischen Figuren sie arbeiten, darüber informiert dieses Buch mit lesenswerten Beiträgen. [....]
Der Band wird mit einem Gespräch zwischen Susann Witt-Stahl und Moshe Zuckermann abgerundet, in dem erneut die ideologischen Grundlagen der Rechtsentwicklung von Teilen der Antifa Bewegung ausgeleuchtet werden. Im Epilog beschäftigt sich die Herausgeberin mit bedenkenswerten Tendenzen innerhalb der ukrainischen Rechten und Faschisten, die dem in Antifa Kreisen kolportierten Klischee immer weniger entsprechen. Angesicht der dramatischen Ereignisse in der Ukraine würde erneut klar, dass Faschismus letztlich darauf abzielt, die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft mit allen Mitteln zu sichern.«
Karl Reitter, Grundrisse – Zeitschrift für linke Theorie und Debatte


»Mit dem Sammelband wird richtigerweise eine Debatte darüber angestoßen, „was Antifaschismus nicht sein darf“ (S. 13). Es geht den VerfasserInnen mit ihrer Bestandsaufnahme also nicht darum, zum Verlassen des sinkenden Schiffes aufzurufen, sondern im Gegenteil aufzuzeigen, womit der Weg zu dessen Instandsetzung verstellt ist. [...]

„Antifa heißt Luftangriff!“ stößt eine überfällige Debatte darüber an, warum man in Antifa-Flugblättern zunehmend antilinke „Kritik“ und neoliberale Ideologie made by Hayek bekommt statt Luxemburg, Lenin, Brecht oder Harvey, oder warum antifaschistische Strategie etwas anderes sein muss, als gemeinsam mit der SPD gegen Nazis zu sein. Lesenswert ist der Sammelband allein deshalb, weil die AutorInnen es vermögen, ihre Diagnosen in einem Wechselspiel aus bitterem Ernst und herrlicher (Real)Satire vorzutragen. Vor allem aber zeigen sie nicht nur den bedrückenden Zustand der antifaschistischen Bewegung in der BRD auf und argumentieren aus unterschiedlichen – teilweise divergierenden theoretischen und politischen – Richtungen, dass ein „weiter so“ fatal wäre. Sie zeigen auch anhand konkreter Beispiele (unter anderem, dass die BRD in der Ukraine Faschisten zur Macht verhelfen kann, ohne mit nennenswerten Protesten rechnen zu müssen), welche verheerenden Konsequenzen eine solche Degeneration des Antifaschismus zeitigen: das Ausbleiben jeglicher Opposition.«
Christian Bernhold, kritisch-lesen.de 


»Die deutsche Linke sorgt sich gerne um die Probleme der Welt, vornehmlich wenn draußen weit in der Türkei die Völker aufeinander schlagen, statt vor der Haustüre zu kehren. Der Sammelband des Laika-Verlages enthält jetzt manche Aufsätze, die davon eine rühmliche Ausnahme machen. Vorausgeschickt sei, dass die Herausgeber unter Antifaschismus etwas Revolutionäres verstehen. Antifaschismus als Notwehr, als notwendige Zusammenarbeit mit der bürgerlichen oder christlichen Linken, im Sinne einer Volksfront wird darunter nicht gesehen. Das Buch beklagt einen ›verstaatlichten Antifaschismus‹. Dieser bezieht sich auf Gerhard Schröders ›Aufstand der Anständigen‹. Der führte allerdings, siehe ›Nationalsozialistischer Untergrund‹, keinesfalls zum Anstand der Zuständigen.«
Stefan Gleser
, Saarkurier Online