Band 76:
Andrew Culp: Dark Deleuze
ISBN: 
978-3-944233-79-6
Erschienen im März 2017
Preis: 
11 €
120 Seiten

Ein revolutionärer Deleuze, der einer Welt der verpflichtenden Happiness, der dezentralisierten Kontrolle und der Überbewachung zugeneigt ist?

Der französische Philosoph Gilles Deleuze ist als Denker der Kreation, der fröhlichen Affirmation und der Assemblagen bekannt. In Dark Deleuze argumentiert Andrew Culp, dass der ehemals radikale Kanon der Freude seine Widerstandskraft gegen die dumpfe Kontinuität des Präsens längst verloren hat. Konzepte, die einst geschaffen wurden, um den Kapitalismus zu besiegen, werden heute als Business-Mantras recycelt, die fröhlich und entspannt Slogans wie »Die Macht ist vertikal, das Potenzial ist horizontal!« affirmieren.

Mit Dark Deleuze erobert Culp die vergessene Negativität des Denkers Deleuze zurück. Culp präsentiert sie als eine Serie von Unterschieden, die er in einer spielerischen Prosa erkundet. Mit der Erfindung eines untergründigen Netzwerkes, das Linien zur Konspirativität, Grausamkeit, dem Terror des Außen und der Scham, Mensch zu sein, zieht, wirbelt er die geläufigen Interpretationen wild durcheinander. Am Ende seiner Suche beschuldigt Culp Deleuze, einen fatalen Irrtum begangen zu haben: Weil er zu engagiert war, Gründe zu finden, um an diese Welt zu glauben, hat Deleuze es versäumt, uns mehr darüber zu erzählen, was an dieser Welt inakzeptabel ist. Um heute Kommunist zu sein, so Culp, müsse man wieder lernen, diese Welt zu hassen.

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Szepanski

 

Andrew Culp lehrt als Phd an der University of Texas in Dallas. Seine theoretischen Schriften behandeln die Netzwerkkultur und das Nachleben der Antiglobalisierungsbewegung. Sie erscheinen in Zeitschriften wie boundary 2, angelaki, Radical Philosophy und parallax. Dark Deleuze ist sein erstes Buch und bisher in englischer, spanischer und japanischer Sprache erschienen. Die Originalausgabe kam 2016 unter dem Titel Dark Deleuze bei University of Minesota Press heraus.

Pressestimmen: 

»Dark Deleuze ist ein bedeutender Beitrag für die aktuelle Deleuze-Rezeption – und für das radikale politische Denken.«

Journal for Cultural and Religious Theory


»Und doch ist Culps Ansinnen bestechend: Denn Culp liest das Deleuze’sche Werk im Kontext aktueller politischer Kämpfe – und macht somit einen Deleuze sichtbar, der nichts weniger wäre als der Feldherr einer neuen politischen Revolte.
›Der Pessimismus wird eine Notwendigkeit, wenn man in einer Epoche der allgemeinen Prekarisierung, der extremen Stratifizierung der Klassen und der summarischen Exekution von farbigen Menschen.
[….]
›Dark Deleuze‹ versteht sich also auch als Manifest für die Wiederbelebung der Revolution. Für solch eine Revolution liefert Culp den Lesern zugleich geistige Munition an die Hand: Der größte Teil des Bandes besteht aus der Revision von bekannten Aspekten der Deleuzschen Philosophie – wie etwa ‚Ströme’ oder ‚Nomadismus’. Culp interpretiert diese Themenfelder neu, indem er sie auf ihre – Zitat – ‚gegenläufige’ Bedeutung hin untersucht: Der Deleuzschen ‚Assemblage’ setzt er beispielsweise das ‚Nicht-Werden’ entgegen, der ‚Intensität’ die ‚Grausamkeit’, dem ‚Rhizom’ die ‚Entfaltung’. Entscheidend ist: ‚Gegenläufig’ bedeutet bei Culp keine einfache Dialektik, sondern eine bewusst gesetzte Asymmetrie. Eben diese Gedankenfigur der Asymmetrie verleiht Culps Neuinterpretationen ihren rebellischen Sinn. Denn wie gesagt: Statt der gängigen ‚prozessualen Demokratie’ propagiert Culp einen ‚konspirativen Kommunismus’.

[….]
Wie gesagt: Vieles in Culps Ausführungen bleibt leider im Dunklen – den Begriff der ‚Opazität’, sprich die bewusste Nicht-Transparenz, benennt er übrigens als wichtiges Instrumentarium solch einer politischen Guerilla-Strategie. Auf manche seiner Gedankengänge muss und kann man sich deshalb nur einen Reim machen. Unverhohlen aber ist der radikal politische – und politisch radikale Impetus dieses Bandes: Culps Sympathien gelten unverkennbar dem sogenannten Schwarzen Block. Man muss das nicht gutheißen – und kann seinen Band dennoch mit Gewinn lesen: Er ruft uns dazu auf, endlich wieder zu politischen Subjekten zu werden. "Dark Deleuze" wäre somit die neue Internationale all jener, die wissen: Eine andere Welt wäre nicht nur denkbar – sie ist dringend nötig. «

Claudia Kramatschek, Deutschlandfunk Kultur
http://www.deutschlandfunk.de/andrew-culp-dark-deleuze-deleuzes-dunkle-seite.700.de.html?dram%3Aarticle_id=384906