Das Buch /
Band 13:
Phoolan Devi – Die Rebellin
ISBN: 
978-3-942281-83-6
Erschienen November 2012
Preis: 
24,90 €
176 Seiten

Die indische Sozialrebellin Phoolan Devi wurde am 10. August 1963 in einem kleinen Dorf im Bundesstaat Uttar Pradesh geboren. Ihr Name bedeutet im Dialekt ihrer Kaste »Die Blume«. Im Alter von elf Jahren wurde sie mit einem 24 Jahre älteren Mann zwangsverheiratet, von diesem schwer misshandelt, vergewaltigt und später verstoßen. Nach der Rückkehr in ihr Dorf galt sie als vogelfrei, wurde von mehreren Männern vergewaltigt, und ihre Familie weigerte sich, sie aufzunehmen.

Kaum siebzehn Jahre alt, schloss sie sich einer Bande von Freischärlern an und wurde später ihre Anführerin. Drei Jahre lang führte sie ihren Kampf gegen das Kastenwesen, überfiel Banken und Geschäfte und verteilte die Beute an die sogenannten „Unberührbaren“ und an Mitglieder der untersten Kasten.

Ihre Geschichte ist die einer Frau, die sich in einem Land der Dritten Welt gegen die erdrückende Atmosphäre sexistischer Gewalt und frühkapitalistischer Ausbeutung auflehnte und dazu das Mittel bewaffneter Gegengewalt wählte. Am 12. Februar 1983 stellte sich Phoolan Devi nach einer gnadenlosen Menschenjagd den Justizbehörden. Nach elf Jahren Zuchthaus wurde sie 1994 wegen eines Krebsleidens begnadigt. 1996 wurde sie als Abgeordnete der sozialistischen Samajwadi Party ins Parlament gewählt. Dem gehörte sie bis zu ihrer Ermordung am 25. Juli 2001 an.

Mit Texten von Michaela Karl und Hilmar König. Michaela Karl promovierte 2001 an der FU Berlin über Rudi Dutschke und forscht heute, wie am Beispiel Phoolan Devi, über die Figur der Sozialrebellin. Hilmar König lebt als freier Journalist seit Anfang der Achtziger Jahre in Indien und zeichnet in seinem Beitrag Hunger nach Gerechtigkeit ein umfassendes Bild über das Leben und die Bedeutung von Phoolan Devi im Kampf gegen die Unterdrückung und Missachtung der Frauen in der indischen Männergesellschaft.

 

Diesem Band liegen 2 Filme auf 2 DVDs bei:

DVD 1
Phoolan Devi – Rebellion einer Banditin

D 1994, 80 min. Regie: Mirjam Quinte, Pepe Danquart

DVD 2
Pink Saris

GB/IND 2010, 96 min. Regie: Kim Loginotto

Pressestimmen: 

»Es ist ein erhellendes Buch. Es zeigt eine Seite Indiens, die wir zum Beispiel bei den „Inder statt Kinder“-Debatten gerne vergessen. Es zeigt sie auch auf zwei DVDs, die zum Buch gehören.«
Arno Widmann, Berliner Zeitung


»Behördenwillkür, die eine Strafverfolgung von Vergewaltigern unmöglich macht, ist in Indien ein Dauerthema. Das zeigt auch das Buch Phoolan Devi – Die Rebellin, das mit zwei begleitenden DVDs im Laika- Verlag erschienen ist. Darin wird die Geschichte der „Bandit Queen“ erzählt, die neben ihren Raubzügen auch Racheakte an Vergewaltigern verübte und in den frühen achtziger Jahren in Indien zur Ikone der wehrhaften Frau stilisiert wurde. (...) Phoolan Devi ist keine Revolutionärin, vielmehr verkörpert sie den klassischen Typus des Sozialrebellen. Sie versucht durch illegale Aktionen aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit heraus einen Ausgleich zu schaffen und achtet bei ihrem Kampf auf den sozialen Status potentieller Opfer. Dies ist auch die Definition von Eric Hobsbawm, der sich bereits in den sechziger Jahren mit dem Thema Sozialbanditen beschäftigte. Auf diesen sozialgeschichtlichen Aspekt geht der einleitende Essay des Laika-Bandes ein. Im Chambal-Tal, wo Devis Bande operiert, genießen Räuber bei der armen Landbevölkerung Heldenstatus. Bei Devi kommt die Rache an den Tätern einer strukturell verankerten Gewalt gegen Frauen im patriarchalischen ländlichen Indien hinzu. (...) Für die Politikerin Devi sind die zentralen Themen Überwindung des Kastenwesens und Bildungspolitik für Frauen. Deren Rechte haben für sie vor allem mit aktiver Handlungsmacht zu tun, dementsprechend forderte sie öffentlich wiederholt: „Schlägt euch ein Mann, dann schlagt zurück, schlagt ihn zweimal!“«
Florian Schmid, Der Freitag


»Ihre (Phoolan Devis) Aufforderung zum Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung , ihre Ermutigung zur Inanspruchnahme der eigenen Rechte und Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung sind auch im heutigen Indien nach wie vor von Bedeutung. (...) Der aktuelle Band der Bibliothek des Widerstands hinterfragt die gesellschaftspolitische Bedeutung Phoolan Devis und ihrer Herkunftsregion. Aufschlussreich ist der Blick auf die Struktur der neuen indischen Frauenbewegung, deren unterschiedlichen Akteurinnen und Gruppierungen vorgestellt sowie Stimmungen und Meinungen eingefangen werden.«
Raphaela Kula, Virginia


»In ihrem Beitrag dieser Anthologie fragt die Politikwissenschaftlerin Michaela Karl, inwiefern Phoolan Devi einen politischen Anspruch hatte. Anhand der Kriterien, die der im vergangenen Jahr verstorbene Historiker Eric Hobsbawm an das SozialrebellInnentum stellt, arbeitet sie schlüssig heraus, dass es Phoolan nicht um einen politischen Umsturz, um den Kampf gegen die Regierung ging, sondern stets um Gerechtigkeit. Sie macht männliche Gewalt, Korruption und die Auswirkungen des Kastensystems sichtbar, stiftet aber keine Rebellion an. Die Sozialrebellin agiert zunächst aus der Position des Opfers heraus, das sich wehrt. Es geht also nicht um eine kriminelle Tat und auch später geht es nicht um Bereicherung. (...) Der Band stellt neben Phoolan Devi die Bandbreite von Frauenorganisationen und Frauengruppen in Indien vor, darunter die Gulabi Gang, die Pink Saris. (...) Aktueller denn je thematisieren das Buch und die Dokumentarfilme männliche Gewalt und die entsetzlichen Lebensbedingungen indischer Frauen. Vor allem aber wird gezeigt, wie Frauen sich dagegen auf unterschiedliche Weise erfolgreich wehren.« 
Bärbel Gerdes, AVIVA-Berlin


»Aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen die Autorinnen eindrucksvoll von dieser brüchigen und doch ungebrochenen Lebensgeschichte, unter anderem auch in einem Interview mit Devi selbst, die über ihr Leben, ihr Wirken und ihre Überzeugungen spricht. Hilmar König spürt in den Regionen des indischen Chambal-Tals dem Erbe Devis und den Lebensbedingungen der armen Landbevölkerung nach und erzählt in einem weiteren Beitrag von den heutigen Rebellen, den maoistischen Naxaliten, die sich aus der Perspektive Devis quasi im Krieg um Gerechtigkeit mit der indischen Regierung befinden. Ebenso finde sich auch bei der populären Gulabi Gang – einer Gruppe von Frauen in pinken Saris –, von der Annette Schiffmann berichtet, etwas vom Geist des Aufstands wieder, wenn diese gegen Korruption und Ungerechtigkeit selbst tätig zu werden beginnen. Der Band wird somit zu mehr als nur einem Porträt oder bloßem Personenkult, er legt Zeugnis von den unglaublichen Potenzialen (und Grenzen) des eigenen entschlossenen Handelns ab.« 
Alexander Struwe, Portal Politikwissenschaft