Das Buch /
Band 8:
Dass du zwei Tage schweigst unter der Folter!
ISBN: 
978-3-942281-77-5
Erschienen zur Buchmesse Frankfurt 2010, Gastland Argentinien
Preis: 
24,90 €
192 Seiten

Am 16. Juni 1977 wird die 30-jährige Elisabeth Käsemann beigesetzt. Ihre Eltern teilen der Öffentlichkeit mit: „Wir haben heute unsere Tochter Elisabeth auf dem Lustnauer Friedhof bestattet. Am 11. Mai 1947 geboren, am 24. Mai 1977 von den Organen der Militärdiktatur in Buenos Aires ermordet, gab sie ihr Leben für die Freiheit und mehr Gerechtigkeit in einem von ihr geliebten Land.“ Käsemann war eines der mehr als 30.000 Opfern der argentinischen Militärjunta unter General Videla.

Das Militär hatte sich am 24. März 1976 an die Macht geputscht. Die Junta löste das rechtsgerichtete Regime von Isabel Peron ab. Die Witwe des Nazi-Sympathisanten Juan Domingo Peron hatte nach Ansicht der argentinischen Oligarchie im Kampf gegen die Linke versagt. Denn trotz der unter Peron initiierten „Alianza Anticomunista Argentina“, einer Todesschwadron aus Militärs und Geheimdienstlern, die gezielt Gewerkschafter und linke Aktivisten exekutierte, hatten die sozialen Kämpfe Mitte der Siebziger Jahre stark zugenommen. Es gab Streiks und Fabrikbesetzungen, linke Guerilla-Gruppen verfügten über eine Massenbasis. Das System drohte zu kippen. Der Staatsstreich von 1976 erfolgte unter Anleitung der CIA und mit finanzieller Unterstützung des US-amerikanischen State Department.

Elisabeth Käsemann wurde im März 1977 als Mitglied einer „oppositionellen Gruppe“ vom Militärgeheimdienst verhaftet und nach wochenlangen Folterungen am 24. Mai 1977 erschossen. Das deutsche Auswärtige Amt war über den Fall Käsemann informiert, protestierte jedoch nicht. Außenminister Genscher setzte auf „stille Diplomatie“ – es war die Stille des Todes.

Ein ausführliches Interview mit dem Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck über die juristische Verfolgung der Verbrechen der argentinischen Militärjunta; ein Blick auf die Geschichte der argentinischen Staatsstreiche von dem Schriftsteller Osvaldo Bayer, Frieder Wagner über die Leichen im Keller des Auswärtigen Amtes, Dagmar Lieske über Folter, Fußball und die argentinische Militär- diktatur – in diesem achten Band der Bibliothek des Widerstands.

 


Im hinteren Innendeckel dieses LAIKA-Mediabooks finden Sie wie immer eine DVD, diesmal mit zwei Filmen.

Pressestimmen: 

Als das Herzstück des Buches kann der Artikel von Dagmar Lieske gesehen werden, der gleichzeitig ihre im Jahr 2007 fertiggestellte Magisterarbeit ist. Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss und der Darstellung der deutsch-argentinischen Beziehungen bis 1976 untersucht Lieske anhand der deutschen Presse erstens die unmittelbaren Reaktionen auf den Putsch, zweitens den Umgang mit den deutschen Opfern der Diktatur und drittens die Debatten über Argentinien während der Fußballweltmeisterschaft. Obgleich sie betont, dass nicht pauschal geurteilt werden kann, stellt sie doch junta-freundliche Positionen insbesondere innerhalb der konservativen Presse (Welt, FAZ) und der deutschen Bundesregierung fest. „Völlig anders verhielten sich SZ und FR, deren Fokus auf der Anprangerung von Menschenrechtsverletzungen lag; das Magazin Spiegel nahm eine Zwischenposition ein. Von gleichförmigen Medien kann deshalb keine Rede sein“.«
Ines Weber, Portal für Politikwissenschaften