Das Buch /
Band 15:
25. April 1974 – Die Nelkenrevolution – Das Ende der Diktatur in Portugal
ISBN: 
978-3-942281-85-0
Erschienen Juli 2012
Preis: 
24,90 €
344 Seiten

Das Signal zur Revolution kommt am 25. April 1974 um 0:25 Uhr Ortszeit über den Rundfunksender Radio Renascenca: „Grândola, Vila Morena“, das verbotene antifaschistische Lied des Musikers Jose Alfonso, wird innerhalb von Stunden zur Hymne des Aufstands. Für die Soldaten des Movimento das Forcas Armadas (MFA) ist es das vereinbarte Signal zum Sturz der salazaristischen Diktatur.

Als die Truppen der MFA wenige Stunden nach Beginn des Militäraufstandes durch die Avenida da Liberdade in Lissabon marschierten, hatten sich bereits Zehntausende jubelnde Portugiesen am Straßenrand versammelt. Der Saga nach waren es Frauen aus Blumenläden, die den Soldaten Nelken in die Gewehrläufe steckten. Die Rote Nelke wurde zum Symbol der portugiesischen Revolution. Gegen Mittag waren die wichtigsten Ministerien und das Oberkommando des Heeres besetzt. Achtzehn Stunden später war Europas älteste Diktatur gestürzt und 48 Jahre Verfolgung, Folter und faschistische Unterdrückung waren Geschichte. Das Regieme wehrte sich über seine Geheimpolizei. Sie feuerten vom Dach des Geheimdienstgebäudes auf die unbewaffneten Demonstranten und töteten vier von ihnen.

Diesem Band liegen 2 Filme auf 2 DVDs bei:

DVD 1
Viva Portugal!

BRD/P 1974/1975, 108 min. Regie: Christiane Gerhards, Serge July, Malte Rauch, Samuel Schirmbeck

DVD 2
Scenes from the Class Struggle in Portugal

USA/P 1977, 85 min. O.m.U. Regie: Robert Kramer

Pressestimmen: 

»Wie bei den mediabooks der Hamburger Bibliothek des Widerstands (siehe freiStil #38) üblich, sind dem Buch Filme beigelegt. In diesem Fall – »Viva Portugal« von Christiane Gerhards, Serge July, Malte Rauch und Samuel Schirmbeck sowie »Scenes from the class struggle in Portugal« von Robert Kramer – dienen beide dank der integrierten Originalaufnahmen dem Verständnis der umwälzenden Geschehnisse. Sie schildern eindrucksvoll, wie die portugiesische Bevölkerung sich die Revolution der fortschrittlichen Streitkräfte aneignete, sie Schritt für Schritt erlernte und so den reaktionären Kräften im Land massiv entgegenwirkte. Self-Empowerment würde man wohl heute dazu sagen.
Zu verdanken sind diese aufklärenden Auskünfte einmal mehr dem Team Karl-Heinz Dellwo & Willi Baer. Fazit: Die Nelkenrevolution in Portugal 1974 kann sowohl als Lektüre als auch zur Nachahmung dringend empfohlen werden! [...]«
Andreas Fellinger, FreiStil


»Insgesamt ist der Sammelband mit den zeitgenössischen Fotografien aus der Revolutionszeit erfreulich, weil er viele Argumente sammelt, um daran zu erinnern, dass es eine bewegte soziale Revolution in Portugal war, die die verschiedensten Kräfte in der Bevölkerung prägten. Es sind zwei Dokumentarfilme beigelegt, die argumentativ untermauern, wie breit der revolutionäre Kampf gesellschaftlich getragen wurde. Der Film „Viva Portugal!“ eröffnet ein Verständnis für das Zusammenspiel der beteiligten Gruppen und ihrer Aktionismen.«
Antonia Laudon, Grundrisse

 

»In diesem April scheint in Portugal alles möglich“, beschreibt „Viva Portugal“  (Titel eines der zum Buch gehörenden Filme) die Situation. Und die Menschen handeln sofort, um das Mögliche Wirklichkeit werden zu lassen. Das zeigt auch das Buch, in dem portugiesische Historiker und Sozialwissenschaftler das damalige Geschehen beschreiben und aus ihrer heutigen Sicht analysieren. Am 25. April stürzen die Militärs das Regime. Am 28. April besetzen die Bewohner des Stadtviertels Boa Vista in Lissabon leer stehende Häuser. Bankangestellte beginnen am 29. April, den Kapitalfluss der Banken zu kontrollieren. Gewerkschaften besetzen das Arbeitsministerium, Landarbeiter und arbeitslose Tagelöhner Landgüter. Arbeiter enteignen Betriebe, produzieren in Eigenregie. Die Menschen, die in fast 50 Jahren Diktatur kaum den Mund aufmachen konnten, treten überall mit Aktionen für die Forderungen der Revolution ein: Ende des Kolonialkrieges, Unabhängigkeit der Kolonien, Agrarreform, Vollbeschäftigung, Lohnerhöhungen, Zugang zu Wohnraum, Recht auf Bildung.
[...]
Die vielen Aufnahmen von Gesichtern in den Filmen über die Nelkenrevolution zeigen: Für einen historischen Augenblick lang ist diese Utopie wahr geworden. An solche Momente knüpft Geschichte in ihrer Entwicklung an, auch wenn sich das manchmal in langen Zeiträumen vollzieht. Dass Militärs einer Kolonialarmee eine Revolution eingeläutet haben, statt weiter in den Krieg zu ziehen, beweist außerdem, dass die Geschichte manchmal überraschende Lösungen bereithält.«
Anja Ruf, Welt-Sichten