Das Buch /
Band 21:
Häuserkampf I: Wir wollen alles – der Beginn einer Bewegung
ISBN: 
978-3-942281-05-8
Erschienen Oktober 2012
Preis: 
29,90 €
296 Seiten

Der Schwung der 68er Bewegungen war verflogen, die politische Klasse schien sich gefangen zu haben. Tatsächlich tauchten die Ideen nur an anderen Stellen auf, völlig unangemeldet. Die SchülerInnenbewegung entstand, in den Heimen rebellierten die ›Schwererziehbaren‹, die Jugendzentrumsbewegung kämpfte um selbstverwaltete Räume, Jungarbeiter wollten nicht länger werden, was ihre Väter geworden sind, und viele ›Gastarbeiter‹ hörten auf, stumm zu malochen.

Währenddessen boomte die deutsche Wirtschaft. Konzerne, Banken und Versicherungen platzten aus allen Nähten und erwarteten von ihren Parteien, dass sie ihnen in lukrativer, zentraler Lage Platz schafften – koste es, was es wolle. Citynahe Wohngebiete sollten für die Business-Klasse freigeräumt, die dortige Wohnbevölkerung vertrieben werden. Was sang- und klanglos über die Bühne gehen sollte, kulminierte im heftigsten Häuserkampf, den Frankfurt nach 1945 erlebt hat. 1970 wurde im Frankfurt-Westend das erste Haus besetzt. Aus einem Wespenstich entwickelte sich ein Wespennest .... die Investorenträume drohten zu platzen, die SPD geführte Stadtregierung bekam als Gegenregierung den ›Häuserrat‹ und die Medien prophezeiten den Anfang vom Ende: Erst der Häuserrat, als nächstes Fabrikräte...

Die zweite Hausbesetzungswelle in den 80er Jahren

Der ›Deutsche Herbst‹ 1976/77, die Entmachtung bürgerlicher Institutionen, die selektive Außerkraftsetzung elementarer Grundrechte hat eine ›bleierne Zeit‹ zurückgelassen. Die Soziologie machte sich nur noch Sorgen ... um die Jugend und schrieb sie ab.

Die alten Pläne von der Umwandlung citynaher Wohngebieten in lukrative Stadtorte für Business und Prime-Class-Wohnen blieben brandaktuell, wurden mit Vehemenz verfolgt und zart akzentuiert. Ein bisschen Bürgerbeteiligung, ein bisschen mehr Spielgeld für Anliegen, die das Projekt im Kern nicht gefährdeten.

Was mit den ersten Hausbesetzungen in Berlin-Kreuzberg Anfang der 80er Jahre begann, entwickelte sich zu einem Flächenbrand. In Stadt und Land brachten man es auf über 400 besetzte Häuser. Und in Zürich revolutionierte d’Bewegig die Bewegung, versöhnte Militanz und Poesie, forderte die Sprengung der Alpen und machte als Ehepaar Müller Furore, als dieses – zur besten Sendezeit im Schweizer Fernsehen – den Einsatz von Bomben und Panzern gegen die Hausbesetzungsbewegung forderte.

Diesem Band liegen 11 Filme auf 3 DVDs bei:

DVD 1
Hausbesetzungen – Folgen eines unsozialen Bodenrechts

BRD 1973, 29 min.

Hessenschau
vom 1. November 1973 – Hausräumung

Hessenschau
vom 29. März 1973 – Hausbesetzung

Züri brännt
CH 1980, 100 min. Regie: Videoladen Zürich

Weg von der Straße
D 1996, 50 min. Regie: Stattkino Berlin e.V.

DVD 2
Wir geben unserer Zukunft ein Zuhause

BRD 1989, 50 min. Regie: Videogruppe Komm, Medienladen e.V.

Die Geschichte des Dreisamecks
BRD 1979, 41 min. Regie: Regiekollektiv Medienwerkstatt Freiburg

Freiburg – Polizeiburg
BRD 1980, 40 min. Regie: Regiekollektiv Medienwerkstatt Freiburg

DVD 3
Nachrichten über eine Veränderung

BRD 1981, 55 min. Regie: Regiekollektiv Medienwerkstatt Freiburg

Passt bloß auf
BRD 1982, 75 min. Regie: Regiekollektiv Medienwerksatt Freiburg

Das ist unser Haus
BRD 1973, 45 min.

Mit Texten von: 
Wolf Wetzel
Pressestimmen: 

»Die Entwicklung der radikalen Linken in der Bundesrepublik nach 1968 ist unweigerlich verbunden mit der Geschichte der Hausbesetzungen und so ist deren Dokumentation in der Bibliothek des Widerstands auch ein wichtiges Zeugnis linker Selbstreflexion. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Rekonstruktion der verschiedenen Ereignisse an ihren unterschiedlichen Schauplätzen. Gefragt wird auch, wie und warum die Bewegung zum Stillstand kam -- wo doch viele der damaligen Tendenzen in Sozial- und Stadtpolitik, auf die die breite Hausbesetzungswelle eine Antwort war, sich bis heute fortsetzen (wenn sie sich nicht sogar verschärften). (...) Die Autorinnen und Autoren arbeiten sich an den Stationen dieser Geschichte der kurzen Siege und großen Niederlagen ab. So verebbte die erste Besetzungswelle zu Beginn der 1970er-Jahre in Frankfurt zunehmend und während die zweite Welle in den 1980er-Jahren dort "mehr von Hausbesetzung zu Hausbesetzung [stolperte]" (107), weiteten sich anderswo die Kämpfe aus. (...) Vervollständigt wird die Darstellung mit dem für die Reihe typischen Film- und Bildmaterial sowie einer ausführlichen Chronologie.«
Alexander Struwe, Portal für Politikwissenschaft