Patrick Bade: Music Wars 1937–1945 – Propaganda, Götterfunken, Swing: Musik im Zweiten Weltkrieg
ISBN: 
978-3-944233-41-3
Erschienen Juni 2015
Preis: 
34 €
512 Seiten

Patrick Bade hat eine kenntnisreiche Musikgeschichte des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Er erzählt von den vielen verschiedenen Bedeutungen und Funktionen, die Musik angesichts von Zerstörung, Tod und Gewalt bekommen hat.

Im Zweiten Weltkrieg spielte Musik eine bis dahin beispiellose Rolle: Ob live oder über die neuen Medien Rundfunk, Film oder Schallplatte unterfütterte Musik die Propaganda, sie sollte die eigene Moral stärken und die der Feinde schwächen. Musik wurde ganz unverhüllt als Propagandamittel eingesetzt, sie war aber auch »Überlebenselixier« und diente zur Ablenkung: Klassische Konzerte und Opern, die unter gefährlichsten Umständen aufgeführt wurden, waren in allen am Krieg beteiligten Ländern gut besucht. Die Menschen tanzten zu Swing und Schlagern und verliebten sich – gerade weil jeder Tag der letzte sein konnte.

Und Bade erzählt sehr anschaulich von denen, deren Berufung die Musik war – von Komponisten, Dirigenten, Musikern, Sängerinnen und Sängern: Nicht wenige bezahlten mit ihrem Leben, andere mussten ins Exil gehen. Die meisten, die in Deutschland blieben, kollaborierten und profitierten von den Ereignissen. Auf alliierter Seite nahmen viele mit ihrer Musik aktiv am Kriegsgeschehen teil und machten diese zur Waffe gegen den Faschismus.

 

Alle Kriegsparteien erkannten den propagandistischen Nutzen der Musik und setzten diese vielfältig ein. So verstärkte die Pianistin Myra Hess die Entschlossenheit der Londoner Bevölkerung durch eine Reihe von Mittagskonzerten in der National Gallery. Die Bayreuther Festspiele öffneten ihre Türen für Kriegsverletzte und Munitionsarbeiter, und in Paris boten die deutschen Besatzer unzählige Musikveranstaltungen an. Die klassische Musik blühte und erreichte ein neues Publikum.

Eine mächtige Waffe beim Einsatz der Musik für den Krieg war der Swing, der eine unwiderstehliche Kraft entfaltete, die auch die Nazis zu nutzen versuchten.

Am Ende war aber jene Musik am wirksamsten, die zentrale Emotionen und Erfahrungen des Krieges wie Verlust, Trennung, Hoffnung und Sehnsucht zum Inhalt hatte, oft als Schnulze komponiert. In Großbritannien steht dafür vor allem Vera Lynn mit ihrem berühmten Titel We’ll Meet Again, in Nazi-Deutschland war es Zarah Leander mit Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen; dann gelang Lale Andersen mit Lili Marleen im Deutschen Reich ein Millionenerfolg, der bei allen Kriegsparteien bald zum internationalen Soldatenlied avancierte.



 

Bade

Patrick Bade ist seit 1981 Dozent an der Christie’s Education in London und arbeitet am London Jewish Cultural Centre. Er publiziert regelmäßig über bildende Kunst und Musik.

 

 

 


Pressestimmen: 

»Gospels, Swing und Wagners Meistersinger – die Nazis instrumentalisierten jede Form von Musik. Ihre Gegner ebenfalls. Fulminant wird das Geschehen nun von Patrick Bade in Music Wars analysiert. [...] wie subtil sich Musik und Politik in Krisenzeiten verzahnen, erfährt man auf den 500 Seiten dieser großartigen Monografie, deren Materialfülle den Leser keineswegs erschlägt, weil sie nicht aufsummierend, sondern gut erzählt daherkommt. [...] Überhaupt: der erfrischende britische Ton in dieser Arbeit!« 

Florian Felix Weyh, Deutschlandradio Kultur

 

»Der englische Kulturhistoriker legt nichts weniger vor als eine umfassende Darstellung der Musik im Zweiten Weltkrieg, von der Klassik bis zum Swing, von New York über Berlin bis nach Moskau, mit einem Umweg über Kairo. [...] Patrick Bade beschreibt in seinem Buch überzeugend, wie wichtig Musik im Zweiten Weltkrieg wurde. Sie tröstete, lenkte ab und munterte auf. Gleichzeitig wurde sie zu einem Mittel der Propaganda. In den Schützengräben und an der sogenannten Heimatfront sollte sie die Moral stärken. [...]Der Kulturhistoriker Patrick Bade konzentriert sich ganz auf die Lebenswege der Komponisten und Interpreten. Es ist deutlich zu spüren, dass er selbst ein begeisterter Sammler und manchmal auch einfach ein Fan ist: Sein Buch ist randvoll mit Geschichten [...].«

Matthias Becker, Deutschlandfunk

 

»Mit Patrick Bades Kulturgeschichte blicken wir in das musikalische Potpourri aus Geniewahn und schlichter Alltagsbewältigung, ahnen den Horror der Lagermusik und abgrundböser Propaganda. [...] Bade hebt musikalische Schätze und konfrontiert uns mit den Widersprüchen der involvierten Stars. «

Sven Ahnert, Saarländischer Rundfunk

 

»Der Brite Patrick Bade, ein passionierter Plattensammler, hat eine Geschichte der Musik der wichtigsten Kriegsparteien für die Jahre 1937-1945 zusammengetragen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, USA und Russland. Er behandelt eine Zeit, in der Musik eine eminente Bedeutung bekam und in der sie zum ersten Mal auch gezielt für politische Ziele eingesetzt wurde.  Besonders hilfreich für das Verständnis der Musik im 2. Weltkrieg, ist die Behandlung der beiden Jahre vor dem Kriegsausbruch. So werden Entwicklungen und Tendenzen, ebenso wie Brüche deutlicher.  Das Buch ist ungemein informativ und faktenreich.[…] Bade schreibt verständlich, einfach und unterhaltsam, ohne Fachjargon. So kann er die LeserInnen durch seinen interessanten Stoff fesseln. ›Music Wars‹ ist natürlich ein Buch für Musikliebhaber und besonders aber für Liebhaber der Musik aus den Jahren 1937-1945. Darüber hinaus behandelt es einen wichtigen Aspekt Zeitgeschichte. Aber vor allem ist das Buch eine Studie, über den Einsatz von Musik zur politischen Beeinflussung als Mittel der Propaganda.« 

Uwe Bräutigam, nrwjazz.net – Das Jazzportal für Nordrhein-Westfalen

 

»Es gibt keine relevante (westliche) Musikrichtung der Zeit, deren Kriegsgeschichte Bade ausgelassen hätte: Von Swing bis Oper, von der klassischen Kammermusik bis zum Schlager zeichnet er lebendig (und nicht selten aufwühlend) das Schicksal der Menschen, die Musik machten, wie derjenigen, die ihr zuhörten, im Mahlstrom des Kriegs nach.[…] Für alle, die über die Musik im Zweiten Weltkrieg und über das Verhältnis von Musik zu Gesellschaft (und umgekehrt) im Allgemeinen mehr erfahren möchten, ist »Music Wars« eine Pflichtlektüre. Detailliert, lebendig und oft geradezu fesselnd begleitet Autor Bade seine Leserinnen und Leser auf eine außerordentlich informative wie nachdenklich machenden Lesereise durch die Musik- und Menschenlandschaften einer gewaltigen und gewaltsamen Zeit.«

Carl Herzogenberg, Marx21

 

»Unzählige Details und Anekdoten der Music Wars berühren und transportieren einmal mehr die schlichte Erkenntnis, dass Musik an sich keine Moral besitzt, aber durchaus zu einem unmoralischen Instrument der Propaganda verkam oder gelegentlich zu einem genialen Instrument der Gegenpropaganda avancierte. […] Sein enormes Detailwissen beeindruckt und liefert viele Mosaiksteine zu einem musikalischen Panorama der Musik des Zweitens Weltkrieges, das uns die bekannten Schnulzen-Ikonen wie Zarah Leander und Lale Andersen näherbringt, aber auch Goebbels wenig bekannte Propaganda-Jazzband in Erinnerung ruft. […] Lustig ist eine von vielen kleinen Geistesblitzen Bades, der an einer Stelle lakonisch offenlegt, dass Lehars Lustige Witwe bei den Nazi-Größen besser ankam als Wagners wuchtige Götterdämmerung.«

Sven Ahnert, Bayerischer Rundfunk, BR 5

 

»Sehr materialreiche Musikgeschichte des 2. Weltkrieges, in der von Komponisten, Dirigenten und Musikern berichtet wird.[…]Die gut besuchten Konzerte in den Kriegsjahren waren eine positive Ablenkung vom tristen Geschehen und erleichterten das Überleben. Insofern kann Musik durchaus als ›Wunderwaffe‹ bezeichnet werden. Kraftvoll weist der Autor darauf hin.«

ekz-Bibliotheksdienst