Michael Weber: Martha
ISBN: 
978-3-944233-22-2
Erschienen August 2014
Preis: 
18,00 €
224 Seiten Softcover mit Schutzumschlag

»Und seitdem kann ich genauer benennen, was mich mit Martha verbindet: Diese Lücke, diese Anmutungs-Leere. Denn Martha war die personifizierte falsche Anmutung – sozusagen Tiefstand auf dem Anmutometer.«

Hamburg-St. Pauli Anfang der 1980er-Jahre: Ein junger Schauspielstudent aus der norddeutschen Provinz zieht mit Freunden in die Davidstraße – wo er Martha Ihde kennenlernt: »Klack, klack, köch, köch […] In der Doppeltür erschien eine kleine, etwa ein Meter sechzig große, schmale alte Frau in einem für ihr Alter verblüffend kurzen Rock, die dünnen, schönen Beine in Nylons, die schlanken Füße in Riemchenschuhen auf beängstigend hohen Absätzen.« Seine neue Nachbarin, die ihr ganzes Leben in diesem Viertel verbracht hat, wird für ihn von einer anfänglich schillernden Panoptikumsfigur im Lauf der Jahre zu einer nahen Bekannten und zu einem Orientierungspunkt für sein weiteres Leben. Die skurrilen, komischen und traurigen Episoden, die er mit Martha, ihrem Mann Ernst, dem Hund Tarzan, ihrem Sohn, dem Krran, und anderen erlebt, prägen sein Verständnis des Viertels, führen ihn zu Reflexionen über seine eigene kleinbürgerliche Herkunft, seine Faszination für das Leben auf St. Pauli, seinen angestrebten Beruf, seine Lebensperspekti ve und seine politische Haltung.

Immer präsent – weil untrennbar verbunden mit dem am Vorbild Martha orientierten freieren Lebensgefühl – sind die in unmittelbarer Nachbarschaft stattfindenden Zeitereignisse: die Kämpfe um die St. Pauli-Hafenstraßenhäuser, der Niedergang des Sex-Gewerbes, der Punk.

Ein atmosphärisch dichter autobiografischer Roman und eine eindrucksvolle Hommage an die Protagonistin Martha Ihde.

 

 


WeberMichael Weber, geb. 1958 in Hamburg, lebt seit 1982 auf St. Pauli. Er ist Schauspieler (u.a.: Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Bochum, Burgtheater Wien, Polittbüro Hamburg, Schauspielhaus Zürich, Königliches Theater Kopenhagen, Schauspiel Köln, Schauspielhaus Hamburg). Daneben arbeitet er an eigenen Texten, Theater- und Filmprojekten und führt gelegentlich Regie. Zu seinen bisherigen Veröffentlichungen zählen u.a.: Hyperion (Bühnenfassung nach Friedrich Hölderlin), Spielverderber (Stück für 4 Schauspieler), Die Wolke Wolfgang (ein Kinderbilderbuch), GlaubeLiebeHoffnung (Theatermagazin Deutsches Schauspielhaus), Meine Geistig Umnachteten (OPAK 03 – Okt./Nov. 2009).

Pressestimmen: 

»[Der Roman] erzählt von einem Proletarierinnenleben; erzählt von einer ganz eigenen Freundschaft; erzählt davon, wie die Jahre vergehen und wie zerbrechlich das Glück ist. ›Martha‹ – das Wort sei erlaubt – ist ein großartiger, ist ein wunderbarer, ist ein zutiefst menschlicher Roman.«

Frank Keil, taz Nord

»Weber ist ein Zeitzeuge der Straßenkämpfe um die Häuser in der Hafenstraße und des Niederganges des Sex-Gewerbes auf dem Kiez. In ›Martha‹ verdeutlicht er zugleich auch seine politische Haltung und sein Unbehagen, am Thalia Theater in Stücken auf der Bühne zu stehen, denen es an Haltung fehlt. ›Martha‹ ist nicht nur eine Hommage an eine besondere Frau, sondern auch an ein Viertel mit rauem Charme.«

Hamburger Abendblatt

 

»[Webers] Roman über die Menschen auf dem Kiez ist persönlich und etwas Besonderes inmitten des Leseangebots von Schrägem und vermeintlich Lustigem, das schon über diesen Stadtteil zwischen Elbe und Stresemannstraße, zwischen Millern- und Nobistor geschrieben wurde.[...] ein Roman, der klug und anrührend, tragisch und komisch zu erzählen weiß. Auch und besonders wegen der Hauptfigur.«
 

Frank Keil, Welt am Sonntag